Genetik der Gesichtserkennung

19. Dezember 2007 06:01 Drucken

Zwillings-Mädchen Das Gehirn ist von Anfang an auf die Verarbeitung bestimmter Reize ausgelegt, während es den Umgang mit anderen erst nachträglich lernen muss. Für diese Vermutung spricht eine Zwillingsstudie amerikanischer Neurowissenschaftler. Die Hirne eineiiger Zwillinge reagieren beim Anblick von Gesichtern und Gebäuden deutlich ähnlicher als beim Anblick von Buchstaben.

Ich sehe nichts, was Du nicht siehst. Foto: iofoto /Fotolia

“Die Erkennung von Gesichtern und Orten ist im evolutionären Maßstab etwas Altes, das bei vielen Arten vorkommt und eher einen deutlichen Anpassungsvorteil mit sich bringt”, erklärt Thad Polk von der University of Michigan die Resultate. “Daher erscheint es plausibel, dass das Erbgut die Reaktion der Gehirnrinde auf Gesichter und Plätze beeinflusst, nicht jedoch auf orthographische Reize.”

Polk und Kollegen führten ihre Studie mit 24 eineiigen und zweieiigen Zwillingspaaren durch. Erstere weisen ein praktisch identisches Erbgut auf, während letztere im Schnitt nur die Hälfte ihrer Genvarianten gemeinsam haben. Alle Teilnehmer sahen Reihen unterschiedlicher Fotos, in denen sie eventuelle Doubletten erkennen mussten. Währenddessen wurde ihre Gehirnaktivität per funktioneller Kernspintomographie kartiert.

Ging es um Gesichter und Gebäude, ähnelte sich die Aktivität in der Sehrinde eineiiger Zwillinge stärker als bei zweieiigen. Konzentrierten sich die Teilnehmer dagegen auf Wörter oder etwa Stühle, war die Ähnlichkeit weniger deutlich ausgeprägt, berichten die Forscher im “Journal of Neuroscience”. Ihrer Ansicht nach lässt sich dieses Phänomen dadurch erklären, dass die Verarbeitung biologisch bedeutsamer Reize bereits in der – auch genetisch bestimmten – Gehirnstruktur angelegt ist. Bei anderen Reiztypen spielten dagegen die individuellen Erfahrungen eine stärkere Rolle.

Forschung: Thad A. Polk, Joonkoo Park und Mason R. Smith, Department of Psychology, University of Michigan, Ann Arbor, und Denise C. Park, Department of Psychology, University of Illinois at Urbana-Champaign, Urbana

Veröffentlichung Journal of Neuroscience, 19. Dezember 2007

WWW:
Polk Lab, University of Michigan
Sehen: Bilder im Gehirn
- Visuelle Objekterkennung

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Blinder Patient “sieht” Gesichtsausdrücke

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