Posted in: Biologie, Paläontologie 13. Dezember 2007 20:01 Weiter lesen →

Räuberischer Pilz mit Lassotrick

2 Mikroskopaufnahmen zeigen vor hellbraunem Hintergrund eines der 'Lassos' als dunkelbraunen, transparenten Kringel und einen FadenwurmWenn räuberische Dinosaurier auf Jagd gingen, spielten sich unter ihren Füßen nicht minder dramatische Szenen ab. Das belegen 100 Millionen Jahre alte Bernsteinstücke, die Forscher aus Berlin und Halle im Magazin „Science“ präsentieren. In dem versteinerten Harz erhalten ist ein fleischfressender Pilz, der seiner Beute mit klebrigen Schlingen nachstellte.

Die „Lassos“ brachen vermutlich leicht vom Mycel ab, sobald sich die Beute darin wand. Bild: Courtesy Science/AAAS

„Diese neuen Fossilien zeigen, dass Bodenpilze bereits in der Unteren Kreide komplexe Fallen für bewegliche Organismen entwickelt hatten“, schreiben Alexander Schmidt vom Museum für Naturkunde Berlin und seine Kollegen. Auch heute betätigen sich Vertreter verschiedenster Pilzgruppen als Räuber, indem sie Einzeller, winzige Fadenwürmer und andere kleine Bodenbewohner fangen und allmählich zersetzen. Da sie mit den kreidezeitlichen Pilzen nicht näher verwandt zu sein scheinen, muss die Evolution die nötigen Fangapparate mehrfach entwickelt haben.

Die urzeitlichen Pilze sind in Bernstein erhalten, der in Westfrankreich nahe des Ortes Archingeay geborgen wurde. Bei der mikroskopischen Betrachtung zeigen sich darin verzweigte, gut 2 Mikrometer feine Pilzfäden (Hyphen). An einigen Seitenästen sitzen Ringe, die aus einer einzigen, im Kreis gewachsenen Zelle bestehen. Mit Innendurchmessern von bis zu 10 Mikrometer taugen diese Ringe als Fangschlingen für Nematoden, wie sie ebenfalls in dem Bernstein zu finden sind.

Zeichnung zeigt in der Mittel einen Fadenwurm, der in einem der 'Lassos' steckt, flankiert von Zeichnungen des Pilzmycels mit Lassos in verschiedenen Phasen der Entstehung und den eher an Hefepilze erinnernden Ablegern

Neben den Fangschlingen bildete der Pilz auch „Ableger“, die in ihrer Zell- und Wuchsform eher an heutige Hefepilze erinnern. Bild: Courtesy Science/AAAS

Einige der Ringe sind zudem von kleinen Partikeln bedeckt. Schmidt und Kollegen vermuten, dass diese auf klebrige Sekrete zurückgehen, wie sie auch von heutigen räuberischen Pilzen eingesetzt werden. Allerdings bildeten die kreidezeitlichen Räuber noch „Ableger“ aus eher kugeligen Zellen, wie sie für Pilze in flüssigen Medien typisch sind. Möglicherweise waren sie noch nicht vollständig an das Landleben angepasst.

Forschung: Alexander R. Schmidt und Vincent Perrichot, Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin; Heinrich Dörfelt, Institut für Geobotanik und Botanischer Garten, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle/Saale

Veröffentlichung Science, Vol. 318, 14. Dezember 2007, p 1743, DOI 10.1126/science.1149947

WWW:
Museum für Naturkunde Berlin
Geobotanik und Botanischer Garten, Uni Halle
Nematophage Pilze
Amber – Window to the Past

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Forscher durchleuchten Bernstein-Spinne
Chemische Kriegsführung in der Kreidezeit

Posted in: Biologie, Paläontologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.