Ausgetretene Pfade bevorzugt
12. Dezember 2007 |
Auch wenn viele Nobelpreisträger und Jungunternehmer gerade deshalb erfolgreich sind - Menschen wagen sich nicht gerne auf unbekanntes Terrain. Das gilt auch im wortwörtlichen Sinne, hat ein niederländischer Verhaltensforscher zeigen können. Nachdem sie ihnen einmal gezeigt worden war, wählten seine Versuchsteilnehmer beharrlich eine umständliche Route durch ein Gebäude.
Dabei spielte es keine Rolle, ob die Teilnehmer deutlich auf den kürzeren Weg hingewiesen worden waren, berichten die Forscher um Simon Reader von der Universität Utrecht im Fachblatt “Biology Letters”. Hatte ihr Begleiter einen offensichtlichen Grund für den Umweg gehabt, änderte dies ebenfalls nichts an der Präferenz. Hunde und Säuglinge sind in dieser Hinsicht deutlich anarchistischer veranlagt.
Reader und Kollegen studierten das Verhalten von 72 Erwachsenen, die in verschiedenen Räumen eines Forschungsinstituts eine Reihe von Tests absolvierten. Einer davon fand in einem langgestreckten Raum statt, an dessen Enden zwei Türen auf den gleichen Korridor führten. Die Teilnehmer wurden durch den Korridor und eine dieser Türen in den Raum geleitet, lösten dort ein Puzzle, und sollten sich dann wieder in dem Raum mit dem vorherigen Test melden.
Sämtliche Teilnehmer verließen den Raum durch jene Tür, durch die sie hineingeführt worden waren - auch dann, wenn das Puzzle am anderen Ende des Raums aufgebaut war oder der Begleiter ihnen gezeigt hatte, dass der kürzere Weg offenstand. Einmal etabliert, wurde die Präferenz bis zu fünf Mal “vererbt”, wenn ein Teilnehmer den nächsten zu dem Puzzle führte. Die einzige Ausnahme: Bei 18 Teilnehmern war “zufällig” ein Poster von der Wand gefallen und der Begleiter nutzte den Umweg, um es wieder aufzuhängen. Für den langen Weg gab es also keinen offensichtlichen Grund mehr. Des ungeachtet wählte nur ein Teilnehmer den kürzeren Rückweg.
Die einfachste Erklärung für dieses Phänomen sei, dass Menschen einem bekannten Weg den Vorzug vor einem unbekannten gäben, schreiben Reader und Kollegen. Vielleicht hätten die Teilnehmer aber auch befürchtet, durch das Nutzen der anderen Tür unhöflich zu handeln oder eine Regel zu verletzen. Das folgsame Verhalten könnte weitreichende Konsequenzen haben, vermuten die Forscher. Wenn etwa eine Schimpansengruppe niemals auf Ameisen trifft, lernt sie auch nicht, die Insekten mit einem Stock aus ihrem Nest zu angeln.
Forschung: Simon M. Reader, Matthew J. Bruce und Susanne Rebers, Leerstoelgroep Gedragsbiologie und Helmholtz Instituut, Universiteit Utrecht
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2007.0544)
WWW:
Behavioural Biology Group, Utrecht University
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