Posted in: Biologie, Chemie 10. Dezember 2007 12:51 Weiter lesen →

Wie sich Braunalgen unbeliebt machen

Sammeln von Braunalgen an der französischen Küste Die Braunalge Dictyota dichotoma schützt sich mit einem übel riechenden Gas- und Säure-Cocktail vor hungrigen Meeresbewohnern. Die Zusammensetzung haben Forscher aus Deutschland, der Schweiz und den USA jetzt analysiert. Ihre Entdeckung: Der abschreckende Cocktail wird von der Alge nur bei Bedarf zusammengemischt.

Die Jenaer Forscher beim Algensammeln in der Bretagne. Foto: Pohnert

Die Wissenschaftler um Georg Pohnert von der Universität Jena ermittelten, dass Braunalgen zur Abschreckung eine Mischung aus Trimethylamin (TMA), Dimethylsulfid (DMS) einsetzen. TMA ist ein fischig riechendes Gas, DMS eine biologische Schwefelverbindung. Die Substanzen haben in der Alge unter normalen Bedingungen die Aufgabe, den Wasser- und Salzhaushalt zu regulieren. Erst wenn die Alge verletzt wird – zum Beispiel durch den Biss eines Tieres – werden die Chemikalien zusammen mit einer Acrylsäure freigesetzt.

Dass sich kleine Krebse vom fischig-schwefeligem Geruch der Alge abschrecken lassen, konnten die Chemiker in Versuchen mit Amphipoden zeigen. Den wenige Millimeter großen Tieren boten sie Futter an, das in verschiedenen Varianten mit Futteralgen und Kombinationen aus TMA, DMS und Acrylat versetzt war.

„Das Ergebnis hatte uns zunächst überrascht“, sagt Pohnert. Denn weder TMA noch DMS oder Acrylat hielten die Krebse auf Distanz. Auch die Kombination aus jeweils zwei der Komponenten zeigt keinerlei Wirkung auf den Appetit der Kleinkrebse. „Erst alle drei Substanzen zusammen entfalten eine abschreckende Wirkung“, sagt Pohnert.

Die Entdeckung, dass marine Krebse Duftmischungen wahrnehmen können, sei gänzlich neu, so der Jenaer Chemiker. Bisher basierten die meisten Untersuchungen nur auf Tests mit einzelnen gereinigten Komponenten. „Einige der so erhaltenen Ergebnisse müssen sicher mit naturidentischen Chemikalienmischungen neu hinterfragt werden.“

Forschung: Georg Pohnert u.a., Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Jena

WWW:
Projektseite der Uni Jena

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