Selbstlose Äffchen
Mittwoch, 5. Dezember 2007, 8:00 • Rubrik Anthropologie, Biologie.
Weissbüscheläffchen verhalten sich prosozial und kümmern sich um das Wohl ihrer Artgenossen. Die Tiere zeigen einen Altruismus, wie er bisher nur den Menschen eigen schien, sagen Forscher der Universität Zürich. Obwohl bei den Äffchen wie bei den Menschen viele Gruppenmitglieder und nicht nur die Mütter die Kinder aufzögen, habe es aber in der evolutionären Entwicklung einen wichtigen Unterschied gegeben.
Foto: Universität Zürich
Weissbüscheläffchen sind als so genannte “cooperative breeders” bekannt. Sie zeichnen sich durch gemeinsame, kooperative Aufzucht der Jungtiere aus. “Cooperative Breeders” kooperieren auch in den meisten anderen Bereichen ihres Lebens.
In Experimenten der schweizer Forscher konnten die Weissbüscheläffchen spielerisch Futter für andere spenden. Dabei bestand keine Aussicht, selbst etwas zu erhalten. Anders als Schimpansen, aber ebenso wie Menschen, spendeten die Weissbüscheläffchen freizügig für ihre Artgenossen. Das berichten die Wissenschaftler in den “Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS). Die Resultate zeigen nach Meinung der Forscher zum ersten Mal, dass echte Besorgnis um das Wohlergehen von anderen nicht etwas exklusiv Menschliches ist. Dies könnte die Hypothese stützen, dass prosoziales Verhalten eine Folge kooperativer Jungenaufzucht ist.
Die Forscher glauben, Rückschlüsse auf die Evolution von Affe und Mensch ableiten zu können. Obwohl die Vorfahren der Weissbüscheläffchen eine ähnliche Veränderung ihres Lebensstils wie der Mensch vorgenommen hätten, könnte es einen wichtigen Unterschied gegeben haben: Während das prosoziale Verhalten bei den Äffchen auf ein typisches Tieraffenhirn getroffen sei, hätten die Vorfahren des Menschen bereits ein sehr großes Hirn besessen, so die Forscher. Dieses sei mindestens so groß wie bei den heutigen Menschenaffen und zu sehr komplexen kognitiven Leistungen fähig gewesen. Es habe eine Kettenreaktion von weiteren Entwicklungen ausgelöst, die zu unserer ausschließlich menschlichen kognitiven Ausstattung führte.
Forschung: Judith Burkart, Carel van Schaik, Anthropologisches Institut, Ernst Fehr, Charles Efferson, Institut für Empirische Wirtschaftsforschung, alle an der Universität Zürich, in “The Proceedings of the National Academy of Sciences USA (PNAS)”, 3.12.2007
WWW:
Anthropologisches Institut, Uni Zürich
PNAS
Lesen Sie außerdem im Scienceticker:
Reger Zelltausch bei Affenembryonen
Schimpansen beweisen Familiensinn
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken






Neueste Kommentare