Rabenvögel mit giftigem Schutzmantel

5. Dezember 2007 09:30 Drucken

Giftige Vögel galten bislang als Kuriosität. Tatsächlich jedoch könnten sie sehr zahlreich sein, lassen die Untersuchungen dänischer und australischer Biologen vermuten. Die Fähigkeit, Gifte aus der Nahrung im und auf dem Körper abzulagern, könnte demnach unter Raben und ihrer Verwandtschaft weit verbreitet sein.

Diese weltweit verbreitete Gruppe umfasse mehr als 700 Arten, erläutern die Forscher um Knud Andreas Jønsson vom Zoologischen Museum an der Universität Kopenhagen im Fachblatt “Biology Letters”. Und ob eine davon giftig sei, hänge vielleicht zu einem großen Teil davon ab, ob die entsprechenden Insekten als Giftproduzenten in ihrer Umgebung vorkämen.

Anfang der 90er-Jahre hatten Vogelkundler auf Neuguinea entdeckt, dass Pitohuis in Federn, Haut und Muskulatur Verbindungen aus der Gruppe der Batrachotoxine enthalten. Diese Gifte waren bis dato nur von südamerikanischen Pfeilgiftfröschen bekannt. Die eigentlichen Produzenten dürften Käfer sein, die auf den Speisezetteln sowohl der Vögel als auch der Frösche stehen.

Um mehr über die systematische Stellung der Pitohuis herauszufinden, untersuchten Jønsson und Kollegen Gewebeproben von 26 Arten aus der Überfamilie der Corvoidea. Die Forscher sequenzierten Abschnitte von 3 Genen und konstruierten anhand der Gemeinsamkeiten und Unterschiede den wahrscheinlichsten Stammbaum. Zu ihrer Verblüffung fanden sie, dass die 6 Pitohui-Arten keine einheitliche, geschlossene Gruppe darstellen, wie es ihre Zusammenfassung in einer einzigen Gattung nahelegt. Vielmehr scheinen sie den unterschiedlichsten Gruppen der Corvoidea anzugehören. Ausgerechnet die zwei giftigsten Arten sind demnach sehr nahe Verwandte der leuchtend bunten Pirole.

Ausgehend von diesen Resultaten, könnten viele Rabenvögel mit Batrachotoxinen in ihrer Nahrung umgehen, folgern Jønsson und Kollegen. Wahrscheinlich entfernten die Tiere die Giftstoffe über die Bürzeldrüse aus ihrem Körper. Deren Sekret, normalerweise zur Gefiederpflege und Abwehr von Krankheitserregern und Parasiten gedacht, könnte damit eine weitere Schutzfunktion erhalten.

Forschung: Knud Andreas Jønsson und Jon Fjeldså, Afdelingen for vertebrater, Zoologisk Museum - Statens Naturhistoriske Museum, Københavns Universitet, und Museum of Vertebrate Zoology und Department of Integrative Biology, University of California, Berkeley; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2007.0464

WWW:
Zoologisk Museum, Universität Kopenhagen
The Intoxicating Birds of New Guinea
Corvoidea
Batrachotoxin - You Touch Me And You’re Dead
Wollhaarkäfer als wahrscheinliche Giftquelle

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