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Augen-Blick ins Blut

Dienstag, 4. Dezember 2007, 11:45 • Rubrik Medizin, Physik, Technik.

Blick auf Netzhaut eines Menschen; hell-orangefarbene Kreisfläche, im Zentrum der gelbe Fleck, am linken Rand der blinde Fleck, aus dem zahlreiche rötliche Blutgefäße entspringenDichter beschreiben die Augen gerne als Fenster zur Seele. Dass ein tiefer Blick ins Auge auch medizinische Information liefern kann, demonstriert eine Mikroskopiertechnik, die amerikanische Forschern entwickelt haben. Indem sie durch Hornhaut und Linse in die feinen Blutgefäße der Netzhaut schauen, können sie verdächtige Zellen aufspüren.

Der normale Augenhintergrund eines Menschen zeigt im Zentrum den Gelben Fleck als Bereich schärfsten Farbensehens und am Rand den Blinden Fleck als jene Stelle, an der Blutgefäße und Sehnerv einmünden. Foto: National Eye Institute-NIH

Die Methode sei nicht-invasiv und gestatte eine kontinuierliche Überwachung, betont Charles Lin vom Massachusetts General Hospital und von der Harvard University in Boston. Auf diese Weise lasse sich beispielsweise verfolgen, ob und wie rasch ein Mittel gegen Krebs die Zahl der entarteten Zellen im Blut reduziere. Der Forscher und seine Kollegen stellen ihre Versuche im Fachblatt “Optics Express” vor.

Bei der Technik handelt es sich um eine Spielart der Durchflusszytometrie, eines seit Jahrzehnten angewandten Analyseverfahrens. Dabei wird eine Flüssigkeitsprobe – meist nach Zugabe fluoreszierender Antikörper oder anderer Sonden – unter mikroskopischer Kontrolle durch ein feines Röhrchen gepumpt. Auf diese Weise kann präzise gezählt werden, wie viele Zellen eines bestimmten Typs in einer Blutprobe oder Zellkultur vorhanden sind. Lin und Kollegen führen diese Messungen direkt im Körper durch und können so effektiv das gesamte Blut eines Organismus überwachen, in diesem Fall das einer Maus.

Bei früheren Versuchen hatte die Gruppe ein einzelnes Blutgefäß in der Ohrmuschel der Tiere beobachtet. Bessere Resultate liefert nun der Blick auf die Netzhaut mit ihrem dichten Gefäßnetz. Durch ein Mikroskop tasten die Forscher per Laser einen kreisförmigen Bereich um den blinden Fleck ab und erfassen so gleich fünf Paare von Arterien und Venen. Sobald die gesuchten, mit einem Farbstoff markierten Zellen von dem Laser erfasst werden, leuchten sie auf und werden von einer Messelektronik erfasst.

Forschung: Clemens Alt, Costas Pitsillides und Charles P. Lin, Wellman Center for Photomedicine, Massachusetts General Hospital und Harvard Medical School, Boston; und andere

Veröffentlichung Optics Letters, Vol. 32(23), pp 3450-2

WWW:
Homepage Charles Lin, Massachusetts General Hospital
How a Flow Cytometer Operates
Der Augenhintergrund


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