Ein Ozean aus Salz
29. November 2007 06:01 Drucken
Der größte Salzsee der Erde ist nicht so spiegelglatt wie es auf den ersten Blick scheint. Entsprechende Resultate haben amerikanische Geowissenschaftler bei einer besonders genauen, satellitengestützten Vermessung gewonnen. In der Salzkruste des Salar de Uyuni in Bolivien gibt es demnach Erhebungen und Senken – allerdings mit Höhenunterschieden von einigen Zentimetern über Entfernungen von vielen Kilometern.
Der Salar de Uyuni und der nördlich davon gelegene Salar de Coipasa sind Überbleibsel eines riesigen Sees auf dem Altiplano. Foto: NASA Johnson Space Center – Earth Sciences and Image Analysis
“Wir hatten keine Ahnung von der Existenz dieser Merkmale”, erklärt Adrian Borsa von der Scripps Institution of Oceanography im kalifornischen La Jolla. Die neuen Resultate seien durchaus von praktischer Bedeutung, da der Salzsee regelmäßig zur Kalibrierung von Satelliteninstrumenten genutzt werde. Für die zahllosen Touristen, die den Salzsee alljährlich bestaunen, dürften sie allerdings weniger wichtig sein.
Der Salar de Uyuni liegt auf der Hochebene des Altiplano und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 9.000 Quadratkilometern, etwa das Zehnfache der Fläche Berlins. Nachdem frühere Vermessungen der Salzkruste kein klares Relief gefunden hatten, testeten Borsa und Kollegen auf einer 45 mal 54 Kilometer großen Teilfläche ein besonders aufwändiges Verfahren auf Basis des Globalen Positionsbestimmungssystems (GPS). Ihre Resultate präsentieren sie im “Geophysical Journal International”.
Indem die Gruppe zusätzlich zu einem beweglichen GPS-Empfänger eine feste Referenzstation nutzte und bei der Berechnung der Satellitenbahnen eine Reihe von Störfaktoren berücksichtigte, konnte sie ein digitales Geländemodell mit einer Höhenauflösung von 2,2 Zentimetern erstellen. Dieses Modell zeigt bis zu einen halben Meter hohe bzw. tiefe Hügel, Rücken und Täler, die sich über Längenskalen von 10 Kilometern entwickeln.
Insgesamt passen diese Strukturen gut zu einer Karte der lokalen Schwerkraft, stellten die Forscher verblüfft fest. Ebenso, wie sich die Meeresoberfläche über Unterseebergen mit ihrer erhöhten Schwerkraft wölbt, scheint auch die Salzkruste den Zug der Gesteinsmassen unter dem See nachzuzeichnen.
Forschung: Adrian A. Borsa, Helen A. Fricker und Bruce G. Bills, Institute of Geophysics and Planetary Physics, Scripps Institution of Oceanography, University of California at San Diego, La Jolla; und andere
Veröffentlichung Geophysical Journal International, DOI 10.1111/j.1365-246X.2007.03604.x
WWW:
Institute of Geophysics and Planetary Physics, Scripps UCSD
Salar de Uyuni
GPS-System
Sind die Ozeane überall gleich hoch?




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