Wie Roms Katzenkinder satt werden

28. November 2007 19:01 Drucken

Straßenkatze mit Futterschale Während bei Löwen der Rudelchef der Erste beim Fressen ist, geht es bei Hauskatzen vergleichsweise zivilisiert zu. Italienische Forscher haben ermittelt, dass verwilderte Katzen in Rom zuerst ihre Jungen an das Futter lassen. Der Grund könnte in einer sorgfältigen Kosten-Nutzen-Rechnung liegen.

Foto: le fin /Photocase

Zumindest wenn es um das Fressen gehe, kehre sich bei den römischen Katzen die übliche Rangfolge um, so Roberto Bonanni von der Universität Parma gegenüber dem Magazin “New Scientist”. Dazu brauche es freilich auch etwas weibliche Überzeugungskraft: “Die Weibchen verpassen den Katern einen wohlgezielten Tatzenhieb auf den Kopf und bringen das Futter unter ihre Kontrolle.”

Mit schätzungsweise mehr als 200.000 verwilderten Hauskatzen wird Rom mitunter als “Katzenhauptstadt” der Welt bezeichnet. Um mehr über das Verhalten dieser Tiere zu erfahren, führten Bonanni und seine Kollegen, darunter auch Mitarbeiter des städtischen Veterinäramtes, sorgfältige Beobachtungen an einem der zahllosen Plätze der Stadt durch. Normalerweise haben demnach auch bei den römischen Katzen die stärksten Männchen das Sagen, berichten die Forscher im Fachblatt “Animal Behaviour”.

Dass sich die Kater beim Fressen letztlich tolerant zeigen, kann nach Ansicht der Forscher mit Hilfe der Spieltheorie erklärt werden. Gut genährte Jungen seien für die Männchen unter dem Strich wertvoller als eine üppige Mahlzeit. Ganz anders lägen die Verhältnisse bei Löwen: Hier müssten die Männchen stets in Topform sein, um sich gegen Rivalen behaupten zu können. Und wenn ein Rudel einen neuen Chef bekomme, töte dieser als erste “Amtshandlung” den Nachwuchs des Vorgängers.

Forschung: Roberto Bonanni und Simona Cafazzo, Dipartimento di Biologia Evolutiva e Funzionale, Università di Parma, Parma; Eugenia Natoli, Azienda USL Roma D, Rom; und andere

Veröffentlichung Animal Behaviour, Vol. 74(5), pp 1369-79, DOI 10.1016/j.anbehav.2007.02.029

WWW:
New Scientist
Biologia Evolutiva e Funzionale, Università di Parma
Spieltheorie
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