Warmes Wetter begünstigt Jungen
28. November 2007 06:10 Drucken
Auch beim Menschen hängt es von den Umweltbedingungen ab, welches Geschlecht der Nachwuchs hat. Entsprechende Hinweise haben finnische Wissenschaftler in alten Kirchenbüchern gefunden. Bei in Finnland lebenden Samen kamen demnach umso mehr Söhne zur Welt, je wärmer es war.
Foto: Andrei Tchernov /iStockphoto
Ein solcher Zusammenhang sei bereits von vielen Tieren nachgewiesen worden, bei denen das Geschlecht hauptsächlich durch die Chromosomen bestimmt werde, schreiben die Forscher um Samuli Helle von der Universität Turku im Fachblatt “Biology Letters”. Im Falle des Menschen hätten entsprechende Studien bislang jedoch kein klares Bild ergeben.
Helle und Kollegen werteten Kirchenbücher aus, die für den Zeitraum 1745 bis 1890 minutiös jede Taufe, jede Hochzeit und jedes Begräbnis in drei Gemeinden im finnischen Teil Lapplands auflisten. Die Forscher ermittelten, wie viele Jungen unter den jährlich 21 bis 70 Neugeborenen waren. Das Geschlechterverhältnis verknüpften sie mit den mittleren Jahrestemperaturen, wie sie aus Jahresringen und anderen Indikatoren abgeleitet worden waren.
Es zeigte sich, dass der Anteil der Söhne mit der Temperatur im Geburtsjahr zunahm. Im Mittel bei 51 Prozent, stieg der Wert mit jedem zusätzlichen Grad Celsius um 2,3 Prozentpunkte. Umgekehrt stieg der Anteil der Mädchen mit der Temperatur im Jahr vor ihrer Geburt um 1,4 Prozent je Grad Celsius. Die Gesamtzahl der Geburten variierte nicht mit der Temperatur.
Nach Ansicht Helles und seiner Kollegen sprechen diese Resultate für die Ansicht, dass der Temperatureffekt über eine Vielzahl von Faktoren vermittelt wird – von den Erfolgschancen der Spermien über den Ernährungszustand der Mutter bis hin zur Robustheit männlicher und weiblicher Föten. Um dieses Geflecht von Faktoren zu entwirren, müssten die Umweltbedingungen sehr viel genauer bekannt sein, so die Forscher.
Forschung: Samuli Helle, Department of Biology, University of Turku; Samuli Helama, Department of Geology, University of Helsinki; Jukka Jokela, Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) und Institut für Integrative Biologie, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Dübendorf
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2007.0482
WWW:
Homepage Samuli Helle, Universität Turku
- Human Life-History Project
Jokela Group, EAWAG
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