Familiennamen führen zu Wikingergenen

28. November 2007 06:05 Drucken

Wenn eine Frau den Nachnamen ihres Mannes annimmt, mag das wenig zeitgemäß sein. Für Genetiker ist es auf jeden Fall ungemein praktisch, belegt eine Studie englischer Forscher. Anhand alter Familiennamen konnten sie Männer identifizieren, in deren Adern besonders viel Wikingerblut fließt.

“Familiennamen sind einzigartige kulturelle Etiketten, die heutige Menschen mit der Vergangenheit verbinden”, erklärt Mark Jobling von der University of Leicester. Indem sich Genetiker an alten Nachnamen orientierten, könnten sie aus einer modernen Bevölkerung das Bild einer mittelalterlichen Bevölkerung herausarbeiten.

Jobling und Kollegen testeten dieses Konzept auf der Halbinsel Wirral und im Distrikt West Lancashire. Beide liegen im Nordwesten Englands und wurden zu Beginn des 10. Jahrhunderts von Wikingern besiedelt, die aus dem irischen Dublin vertrieben worden waren. Zeugnis der Besiedlung sind zahlreiche, auf skandinavische Bezeichnungen zurückgehende Orts- und Familiennamen und ein entsprechend gefärbter Dialekt.

Seit dem Mittelalter habe sich die Bevölkerungsstruktur in der Region allerdings massiv verändert, erläutern die Forscher im Fachblatt “Molecular Biology and Evolution”. Beispielsweise sei die Einwohnerzahl der Halbinsel zwischen 1545 und 1921 um mehr als das 70-Fache gestiegen - zehnmal stärker als im nationalen Durchschnitt. Offenbar hätten sich viele Menschen aus anderen Gegenden dort niedergelassen.

Die Forscher studierten zunächst Kirchen- und Steuerdokumente aus dem 14. und 15. Jahrhundert, um nachweislich alte Familiennamen in der Region zu idenfizieren. Dann analysierten sie die väterlicherseits vererbten Y-Chromosomen von 77 Männern mit solchen Namen. Diese trugen eine Gruppe von Genvarianten, wie sie bei norwegischen Männern verbreitet ist, deutlich häufiger als solche Männer, deren Familien lediglich seit mindestens zwei Generationen in der Region lebten.

Eine statistische Abschätzung ergab, dass unter den Ahnen der “mittelalterlichen” Einwohner der Region bis zu 51 Prozent Skandinavier waren, während ihre “modernen” Geschlechtsgenossen es auf 38 Prozent bringen. Für Männer aus Mid-Cheshire mit seinem schwachen kulturellen Wikingereinfluss schätzen die Forscher auch den genetischen Beitrag mit 21 Prozent als relativ gering ein.

Forschung: Georgina R. Bowden und Mark A. Jobling, Department of Genetics, University of Leicester, Leicester; Stephen E. Harding, National Centre for Macromolecular Hydrodynamics, University of Nottingham, Loughborough; und andere

Veröffentlichung Molecular Biology and Evolution, DOI 10.1093/molbev/msm255

WWW:
Der Artikel online (Open Access)
Homepage Mark Jobling
1100th Viking Anniversary, Stephen Harding
- Genetic Survey of Wirral and West Lancashire

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