Mit Gicht in die Südsee
23. November 2007 |
Als Folge einer westlichen Ernährungsweise greift die Gicht unter den pazifischen Inselvölkern um sich. Diese Anfälligkeit könnte sehr alt sein, lassen die Untersuchungen einer neuseeländischen Anthropologin auf einem 3.000 Jahre alten Friedhof vermuten. Viele der ersten Siedler in der Inselwelt wurden demnach von Gelenkschmerzen geplagt.
Vor der Entdeckung der Begräbnisstätte auf Efate kannte man zwar Artefakte der Lapita, über die Siedler selbst war jedoch kaum etwas bekannt. Foto: University of Otago
Von 20 untersuchten Skeletten weisen 7 einen deutlichen Gelenkverschleiß auf, insbesondere an den Zehenknochen, berichtet Hallie Buckley von der University of Otago im Fachblatt “Current Anthropology”. “Das Muster der Schädigungen lässt vermuten, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Gicht zurückzuführen sind”, so die Forscherin.
Vor schätzungsweise 3.500 Jahren schickten sich aus Südostasien stammende Menschen an, die Inselwelt Melanesiens und Polynesiens zu erobern. Nach dem charakteristischen Dekor ihrer Töpferwaren als Lapita bezeichnet, schafften es diese Seeleute bis nach Samoa - rund 4.500 Kilometer östlich von Neuguinea und Australien gelegen.
Für ihre Studie untersuchte Buckley Skelette aus einer Lapita-Begräbnisstätte, die im Jahr 2003 auf Efate, der Hauptinsel Vanuatus, bei Ausschachtungen für eine Krabbenzucht entdeckt worden war. Archäologen schätzen das Alter der Stätte auf 3.000 bis 3.200 Jahre.
Vermutlich hätten sich die damaligen Inselbewohner überwiegend von einheimischen Pflanzen und Meeresfrüchten ernährt, so Buckley. Letztere enthielten reichlich Purine. Beim Abbau dieser stickstoffhaltigen Verbindungen im Körper entsteht Harnsäure, die sich in Form feiner Kristalle in den Gelenken ablagern und die typischen Gicht-Symptome hervorrufen kann.
Heute leiden schätzungsweise 10 Prozent der neuseeländischen Maori unter der Gicht, während die Krankheit dort noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts praktisch unbekannt war. Laut Buckley zeigen die neuen Resultate, dass diese besondere Anfälligkeit, wie sie auch bei den anderen Völkern des südpazifischen Raums beobachtet werde, ein Erbe der ersten Siedler sein könnte. Im Einklang mit einer solchen Gründereffekt-Hypothese stehe die Entdeckung eines genetischen Markers für hohe Gicht-Anfälligkeit in der indigenen Bevölkerung Taiwans.
Forschung: Hallie R. Buckley, Department of Anatomy and Structural Biology, University of Otago, Dunedin
Veröffentlichung Current Anthropology, Vol. 48(5), pp 741 ff.
WWW:
Anatomy and Structural Biology, University of Otago
Vanuatu Cultural Centre
- Amazing New Finds at Teouma Archaeological Dig
Into Remote Oceania: Lapita People
Gicht
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