Grippeausbrüche in Afrika
22. November 2007 |
Wenn von der Grippe die Rede ist, denkt man meist an herbstliches Schmuddelwetter und kalte Wintertage. Doch auch im Herzen Afrikas ist die Influenza präsent, belegt eine Untersuchung, die Tübinger Mediziner gemeinsam mit Kollegen in den Niederlanden und Gabun durchgeführt haben. Bei gabunischen Kindern stellten sie teils ungewöhnlich hohe Spiegel von Antikörpern gegen die Viren fest.
Influenzaviren sind ein bewegliches Ziel - auch deshalb, weil es in einer Wirtszelle zum Gen-Austausch zwischen verschiedenen Varianten kommen kann. Bild: CDC/ Dr. Erskine. L. Palmer; Dr. M. L. Martin
Die Resultate deuteten darauf hin, dass es erst kürzlich eine Grippeepidemie in dem Land am Äquator gegeben habe, so die Forscher um Peter Kremsner vom Universitätsklinikum Tübingen und Maria Yazdanbakhsh vom Universitätsklinikum Leiden. Auch könnte hinter vielen mutmaßlichen Malariafällen tatsächlich eine Grippe stecken, da die beiden fieberhaften Krankheiten sehr ähnliche Symptome verursachten. Eine genauere Diagnosestellung könnte daher helfen, Patienten mit Fieber effektiver und effizienter zu behandeln.
Während die Virusgrippe mit ihren saisonalen Erkrankungswellen in den gemäßigten und höheren Breiten sorgsam beobachtet wird, ist über das Auftreten der Erreger in tropischen Gebieten nur wenig bekannt. Die Forscher untersuchten daher das Blut von gabunischen Schulkindern, bevor und nachdem diese eine Grippeimpfung erhalten hatten. Ihre Resultate präsentieren sie im “Journal of Infectious Diseases”.
Schon vor der Impfung wiesen viele Kinder hohe Spiegel von Antikörpern gegen Influenzaviren des Subtyps H3N2 auf - ein Zeichen dafür, dass sie vor relativ kurzer Zeit Kontakt mit den Viren gehabt hatten. Zudem zeigte sich bei Kindern mit parasitären Erkrankungen, beispielsweise Wurm-Infektionen, eine deutlich schwächere Antwort auf die Impfung als bei Kindern ohne Parasiteninfektionen. Dieser Umstand müsse bei großangelegten Impfkampagnen berücksichtigt werden, so die Forscher.
Forschung: Elly van Riet, Akim A. Adegnika, Peter G. Kremsner und Maria Yazdanbakhsh, Afdeling Parasitologie, Leids Universitair Medisch Centrum, Leiden, Medical Research Unit, Albert Schweitzer Hospital, Lambaréné, und Sektion Humanparasitologie, Institut für Tropenmedizin, Universitätsklinikum Tübingen; und andere
Veröffentlichung Journal of Infectious Diseases, Vol. 196(11), Dezember 2007, pp 1671-8
WWW:
Parasitologie, Leids Universitair Medisch Centrum
Sektion Humanparasitologie, Uniklinikum Tübingen
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