Posted in: Geologie, Klima, Umwelt 14. November 2007 19:01 Weiter lesen →

Kohlenstoff-Express aus dem Himalaja

Alljährlich spült der Monsunregen Humus und Gestein in Bäche und Flüsse des Himalaja. Damit springt das Material gewissermaßen auf einen Expresszug auf, lassen Messungen französischer und deutscher Geowissenschaftler vermuten. Der im Sediment enthaltene Kohlenstoff wird demnach beinahe vollständig in die Tiefsee im Golf von Bengalen verfrachtet, noch bevor er in Form von Kohlendioxid entweichen kann.

Das Mündungsgebiet des Mengha, von der ISS aus gesehen: Ein breiter, brauner Strom mit zahlreichen eiförmig-ovalen Inseln, einige weiße Schäfchenwolken

Nach dem Zusammenfluss von Ganges und Brahmaputra trägt der Mengha gewaltige Sedimentmengen in den Golf von Bengalen. Bild: NASA Johnson Space Center – Earth Sciences and Image Analysis

Ganz andere Resultate hätten frühere Messungen im Bereich des Amazonas erbracht, schreiben die Forscher um Valier Galy von der Universität Nancy im Magazin „Nature“. Dort würden rund 70 Prozent des ursprünglich von Pflanzen gebundenen Kohlenstoffs oxidiert und gelangten so wieder in die Atmosphäre. Möglicherweise zeige sich hier neben der chemischen Gesteinsverwitterung ein weiterer Mechanismus, über den die Gebirgsbildung den irdischen Kohlenstoffkreislauf beeinflusse.

Galy und Kollegen bestimmten in drei Jahren während der Regenzeit, wie viel Kohlenstoff die Flüsse Ganges und Brahmaputra und – nach deren Zusammenfluss – der Mengha durch Indien und Bangladesch gen Meer trugen. Zudem untersuchten sie Sedimentproben, die das Forschungsschiff Sonne im Jahr 1994 aus dem Bengalfächer erbohrt hatte – einem gut 3 Millionen Quadratkilometer großen Gebiet im Golf von Bengalen, in dem der Meeresgrund von einer mächtigen Schicht Flusssediment bedeckt ist.

Die Forscher fanden, dass das Schwemmmaterial im Wasser und am Grund der Flüsse umso mehr Kohlenstoff organischen Ursprungs enthielt, je mehr fein zermahlene, stärker aluminiumhaltige Mineralpartikel es trug. Verblüffenderweise zeigte sich ein beinahe identischer Zusammenhang in den Sedimenten vom Meeresboden. Auf Basis dieser Übereinstimmung und weiterer Befunde folgert die Gruppe, dass das Sediment beinahe ohne Kohlenstoffverlust den Weg über den Kontinentalschelf bis in die Tiefsee schafft.

Ein möglicher Grund dafür ist der schiere Sedimentfluss von etwa 2 Milliarden Tonnen pro Jahr, vermuten Galy und seine Kollegen. Im Meer vor dem Mündungsgebiet häuften sich alljährlich bis zu 30 Zentimeter Sediment an. Da Sauerstoff aber nur wenige Zentimeter tief in das Material eindringen könne, sei der darin enthaltene Kohlenstoff gut vor Oxidation geschützt. Weitere Faktoren könnten die stabile Schichtung und ein generell niedriger Sauerstoffgehalt des Meerwassers sein – bedingt durch den hohen Süßwasser- bzw. Nährstoffeintrag der Flüsse.

Forschung:Valier Galy und Christian France-Lanord, Centre de Recherches Pétrographiques et Géochimiques, CNRS/Nancy Université, Vandoeuvre-lès-Nancy; Hermann Kudrass, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 450, 15. November 2007, pp 407-10, DOI 10.1038/nature06273

WWW:
CRPG, Nancy
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover
Mountain Uplift and Erosion
Bengalfächer
Der Kohlenstoffkreislauf
Small, Mountain Rivers Play Big Role In Ocean Sediment
Kohlendioxid: Regenwälder atmen durch Flüsse aus

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Menschliche Aktivitäten gefährden Monsun
Trockenheit trieb Anden in die Höhe

Posted in: Geologie, Klima, Umwelt
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.