Bittere Vielfalt
14. November 2007 11:46
Einige Menschen löffeln mit Wonne eine Pampelmuse aus, während andere schon beim Gedanken daran das Gesicht verziehen. Ähnlich vielfältig dürften die Reaktionen der für den bitteren Geschmack zuständigen Sinneszellen sein, haben Potsdamer Forscher ermittelt. Bei einem Menschen bildet demnach jede Bittergeschmackszelle ihren ganz persönlichen Mix an Geschmacksrezeptoren.
Die neuen Resultate könnten individuelle Geschmacksvorlieben verstehen helfen. Foto: Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Dieses Resultat bekräftige für die Ansicht, jede einzelne Geschmackszelle könne nur wenige Gruppen von Bitterstoffen erkennen, folgern Maik Behrens vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Frühere molekularbiologische Untersuchungen hätten dagegen vermuten lassen, dass keine Unterscheidung zwischen verschiedenen Bitterstoffen möglich sei.
“Unsere Daten haben zwar derzeit keinen praktischen Nutzen”, so Behrens, “sie tragen aber wesentlich zum Verständnis der Mechanismen bei, die der Geschmackswahrnehmung zugrunde liegen. Nur wenn wir diese Mechanismen kennen, lassen sich Zusammenhänge zwischen Geschmacksempfinden, Ernährung und Gesundheit aufklären.” Der Forscher und seine Kollegen präsentieren ihre Ergebnisse im “Journal of Neuroscience”.
Tausenden verschiedener Bitterstoffe in Obst und Gemüse stehen lediglich 25 Bitterrezeptoren aus der Familie der TAS2R-Proteine gegenüber. Durch Experimente an Kulturen menschlicher Zellen suchten Behrens und Kollegen, mehr über dieses vermeintliche Missverhältnis herauszufinden. Sie fanden, dass jede einzelne Bittergeschmackszelle nur etwa 4 bis 11 TAS2R-Gene abliest und in Protein übersetzt - und das in unterschiedlichem Ausmaß.
Vermutlich gibt es bei einem Menschen keine Geschmackszellen mit dem identischen Satz Bitterrezeptoren, vermuten die Forscher. Doch ähnlich, wie man mit wenigen Ziffern alle Zahlen aufschreiben kann, könnte das Gehirn verschiedene Bitterstoffe anhand der unterschiedlich starken Nervensignale aus den zahlreichen Geschmackszellen erkennen.
Forschung: Maik Behrens und Wolfang Meyerhoff, Abteilung Molekulare Genetik, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke; und andere
Veröffentlichung Journal of Neuroscience
WWW:
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
- Bittergeschmacksrezeptoren
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