Wie Mäuse Appetit bekommen
Donnerstag, 8. November 2007, 13:10 • Rubrik Medizin.
Je nachdem, welche Signale es aus dem Körper erhält, sorgt das Gehirn für ein mehr oder weniger starkes Hungergefühl. Neue Einblicke in dieses Zwiegespräch ermöglicht eine Untersuchungstechnik, die englische und taiwanische Forscher im “Journal of Neuroscience” vorstellen. Mit Hilfe eines einfachen Kontrastmittels konnten sie bei Mäusen in Echtzeit verfolgen, wie sich die Aktivität in den Appetit-Zentren des Großhirns veränderte.
Das neue Kontrastmittel könnte verstehen helfen, warum manche Individuen dick werden, während andere schlank bleiben. Foto: Courtesy Lexicon Genetics Incorporated
Erhielt das Gehirn Sättigungssignale aus dem Körper, sank die Aktivität in den Kontrollregionen im Hypothalamus. Kamen dagegen Hungersignale aus dem Körper, stieg die Aktivität, beobachteten die Forscher um Jimmy Bell vom Imperial College London. Diese Veränderungen stellten sich ein, noch bevor die Versuchstiere ihr Fressverhalten änderten.
Die Kernspin-Technik könnte besonders wertvoll für die Erforschung jener Prozesse sein, die zum Übergewicht führen, hofft Bell. “Wir wissen nur sehr wenig über die Funktionsweise dieser Prozesse und warum sie von einer Person zur anderen so stark variieren können.” Bei entsprechenden Studien habe man sich bislang auf subjektive und eher unscharfe Angaben zum momentanen Hungergefühl verlassen müssen.
Die Forscher fanden, dass sie die Stärke des Appetits mit Hilfe von zweiwertigen Mangan-Ionen messen konnten. Die Ionen werden von den Nervenzellen in den entscheidenden Kernen des Hypothalamus umso stärker aufgenommen, je aktiver diese sind, und bewirken einen entsprechend starken Kontrast auf Kernspin-Aufnahmen. Da das intravenös verabreichte Kontrastmittel von den Tieren gut vertragen wird, könnte es in ähnlicher Form vielleicht auch beim Menschen eingesetzt werden, so Bell.
Versuchsweise spritzten die Forscher den Tieren die Hormone PYY oder Ghrelin. Die beiden Botenstoffe werden von einem “vollen” Darm bzw. von einem “leeren” Magen in das Blut ausgeschüttet und wirken dämpfend bzw. anregend auf den Appetit. Die Reaktion im Hypothalamus folgte prompt.
Forschung: Yu-Ting Kuo und Jimmy D. Bell, Molecular Imaging Group, MRC Clinical Sciences Centre, Imperial College London, und Department of Medical Imaging, School of Medicine, Kaohsiung Medical University, Kaohsiung, Taiwan; und andere
Veröffentlichung Journal of Neuroscience, Vol. 27(45), pp 12341-8, DOI 10.1523/JNEUROSCI.2391-07.2007
WWW:
Molecular Imaging Group, Jimmy Bell
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