Feuersalamander auf Trennungskurs
Dienstag, 6. November 2007, 6:01 • Rubrik Biologie, Genetik.
Bemerkenswertes geht in einem kleinen Waldgebiet bei Bonn vor sich, haben Bielefelder und Kölner Forscher entdeckt. Die dort lebenden Feuersalamander sind auf dem besten Wege, zwei separate Gruppen zu bilden. Wie es dazu kommt, ist rätselhaft.
Ausgewachsenen Feuersalamandern haftet vielleicht noch der “Geruch” ihrer Kinderstube an. Foto: Uni Bielefeld
Das Phänomen sei umso erstaunlicher, als die Tiere Seite an Seite und erst seit dem Ende der letzten Vereisung vor einigen Tausend Jahren in dem Gebiet lebten, erklären Sebastian Steinfartz von der Universität Bielefeld und seine Kollegen. Die gängigen Theorien zur Artbildung setzten dagegen eine räumliche Trennung über lange Zeiträume voraus. Umso wichtiger seien die Bonner Salamander für das Verständnis dieses Prozesses.
Normalerweise setzen weibliche Feuersalamander (Salamandra salamandra) ihre Larven in kleine Wasserläufe. Im Kottenforst finden sich die Larven jedoch auch in seichten Tümpeln, berichten die Forscher im Fachblatt “Molecular Ecology”. Ihre Untersuchungen ergaben, dass die Jungsalamander an die speziellen Bedingungen in ihrer jeweiligen Kinderstube angepasst sind und sich genetisch unterschiedlichen Gruppen zuordnen lassen.
Räumliche Barrieren dürften allerdings nicht der Grund sein, belegten Vergleichsuntersuchungen in der nahen Eifel: Die Salamander in dem vergleichsweise großen Gebiet setzen ihre Larven nur in Fließgewässer und zeigen keine Anzeichen einer genetischen Trennung.
Noch rätselhafter wird das Geschehen in dem Bonner Waldgebiet angesichts der Tatsache, dass sich das gesamte Leben der ausgewachsenen Tiere an Land abspielt – einschließlich der Paarung. Eine mögliche Erklärung für die beobachtete Entwicklung sehen Steinfartz und Kollegen darin, dass die Kinderstube irgendein Erkennungsmerkmal hinterlässt, sodass sich in Bächen bzw. Tümpeln aufgewachsene Alttiere bevorzugt untereinander paaren können. Weitere Untersuchungen sollen helfen, diese und andere Fragen zu klären.
Forschung: Sebastian Steinfartz, Markus Weitere und Diethard Tautz, Institut für Genetik der Universität zu Köln und Lehrstuhl Verhaltensforschung, Universität Bielefeld
Veröffentlichung Molecular Ecology, Vol. 16(21), pp 4550-61, DOI 10.1111/j.1365-294X.2007.03490.x
WWW:
Homepage Sebastian Steinfartz
Institut für Genetik, Uni Köln
Feuersalamander
Speciation
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Rettichbastard “frisst” seine Eltern
Neue Art: Ein Fisch für Fontane
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken






Neueste Kommentare