Top

Wogen der Erinnerung

31. Oktober 2007 | Druckversion

Wie das Gehirn mit Erinnerungen umgeht, haben amerikanische und deutsche Neurowissenschaftler verfolgen können. Bei der Untersuchung von Epilepsiepatienten beobachteten sie, wie beim Einprägen und Abrufen eines Wortes sehr ähnliche Wogen der Gehirnaktivität durch das Großhirn liefen. Die Stärke dieser Aktivität erlaubte zudem eine Vorhersage darüber, ob der Prozess erfolgreich war oder nicht.

Ausgangspunkt der Wogen war das “Lernzentrum” im Hippocampus, die nächsten Stationen waren Schläfenlappen und Stirnlappen. War die Woge in einem bestimmten Frequenzband beim Einprägen eines Wortes besonders stark, konnten sich die Probanden später meist auch an das Wort erinnern. War sie nur schwach, konnte man davon ausgehen, dass das Wort auf dem Weg ins Gedächtnis verloren ging.

Den 52 Patienten waren feine Elektroden ins Hirn bzw. unter die Hirnhaut implantiert worden, um den Ausgangspunkt ihrer epileptischen Anfälle aufspüren zu können. Die Psychologen und Mediziner um Michael Kahana von der University of Pennsylvania und Andreas Schulze-Bonhage vom Universitätsklinikum Freiburg nutzten die Gelegenheit, um mehr über die Arbeitsweise des Gedächtnisses zu erfahren. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt “Psychological Science”.

Zunächst präsentierten die Forscher den Patienten nach und nach 15 bis 20 Substantive. Nach einer kurzen Ablenkung dann, sollten die Patienten in beliebiger Reihenfolge alle Wörter nennen, die sie sich gemerkt hatten. Gut drei Viertel der Nennungen waren korrekt. Der Rest stammte entweder aus einem vorherigen Versuchsdurchgang oder war im Laufe des Versuchs nicht aufgetaucht.

Es zeigte sich, dass die Stärke der Gehirnaktivität im Gamma-Frequenzband - zwischen 28 und 100 Hertz - nicht nur mit der Qualität der angelegten Erinnerung korrelierte. Auch die Güte der gerade abgerufenen Erinnerung ließ sich daran abschätzen, noch ehe die Patienten den Mund aufmachten. Starke Aktivität zeigte eine “echte” Erinnerung an, schwache Aktivität eine “falsche”.

Forschung: Per B. Sederberg und Michael J. Kahana, Department of Psychology, University of Pennsylvania, Philadelphia; Andreas Schulze-Bonhage und Armin Brandt, Sektion Epileptologie, Universitätsklinikum Freiburg; und andere

Veröffentlichung Psychological Science, Vol. 18(11), pp 927-32, November 2007, DOI 10.1111/j.1467-9280.2007.02003.x

WWW:
Computational Memory Lab, University of Pennsylvania
Epilepsiezentrum, Uni Freiburg
- Information zur Epilepsie und Diagnostik
Angst vor dem Fall
Lernen und Gedächtnis

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Enzymhemmer löscht Erinnerungen
Nächtliche Reaktivierung festigt Erinnerungen

Bottom