Plauschen hält geistig fit
30. Oktober 2007 | Druckversion
Der Unterhaltung mit anderen Menschen wird nicht von ungefähr eine anregende Wirkung zugeschrieben. Diesen Schluss zieht eine amerikanisch-polnische Forschergruppe nach der Auswertung zweier Studien. Schon ein kurzes Gespräch erwies sich dabei als ähnlich stimulierend auf die kleinen grauen Zellen wie gezielte Übungen.
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“Soweit wir wissen, liefert unser Experiment die ersten zwanglosen Belege dafür, dass soziale Interaktion einen direkten, positiven Effekt auf Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit hat”, erklärt Oscar Ybarra von der University of Michigan in Ann Arbor. Im Umkehrschluss könne dies aber auch bedeuten, dass soziale Isolation neben dem Gefühlsleben auch dem Intellekt schade.
Ybarra und Kollegen analysierten 3.610 Interviews, die im Rahmen einer groß angelegten Erhebung zur Lebensweise der US-Amerikaner durchgeführt worden waren. Die Befragten hatten sich zusätzlich einem knappen Test ihres mentalen Zustands unterzogen. Dabei sollten sie beispielsweise das aktuelle Datum oder den Namen des gegenwärtigen Präsidenten nennen, in festen Intervallen rückwärts zählen oder sich einige Wörter merken.
Unabhängig vom jeweiligen Alter, waren die Testresultate umso besser, je häufiger die Teilnehmer mit Bekannten und Verwandten telefonierten oder sich mit diesen trafen, berichten die Forscher demnächst im “Personality and Social Psychology Bulletin”. Offenbar habe der regelmäßige Austausch mit anderen langfristig einen günstigen Einfluss auf das Gehirn, schließen sie.
Tatsächlich macht sich der Effekt sehr rasch bemerkbar, legte ein Experiment mit 76 Studierenden nahe. Diese diskutierten mit anderen Studierenden oder absolvierten eine Art Gehirntraining, bestehend aus Kreuzworträtseln, anspruchsvollen Texten und Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen. Nach 10 Minuten wurde die geistige Leistungsfähigkeit getestet. Beide Gruppen schnitten ähnlich gut ab - und zwar deutlich besser als eine Kontrollgruppe, die lediglich eine Seifenoper geschaut hatte.
Forschung: Oscar Ybarra und Eugene Burnstein, Department of Psychology, University of Michigan, Ann Arbor, und Psychologische Fakultät, Universität Warschau; und andere
Veröffentlichung Personality and Social Psychology Bulletin, Februar 2008
WWW:
Adaptive Social Cognition Lab, Oscar Ybarra
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