Schnecke “baut” sich Tarnhöcker

25. Oktober 2007 18:26 Drucken

Foto: Kleine dunkle Schnecke, von oben gesehen, auf hellem, grobkörnigen Untergrund, ihre Schale von einem kleine Gebirge aus ebensolchem Material bedecktDa ihre Schale nicht alle potenziellen Räuber abhalten kann, legen sich manche Schneckenarten eine zusätzliche Tarnung zu. Auf welch verblüffende Art und Weise sie das bewerkstelligen, hat ein Tübinger Biologe erforscht. Die von ihm untersuchte Landschnecke greift sich kleine Flechten-Stückchen aus ihrer Umgebung und klebt sie sorgfältig auf ihr Gehäuse.

Napaeus barquini bedeckt ihre Schale mit einem wahren Gebirge aus Tarnhöckern. Foto: Uni Tübingen

Sich extrem weit aus ihrem Gehäuse streckend, bedeckt die Schnecke auch die entferntesten Bereiche ihres Kalkpanzers mit einer dicken Flechtenschicht, berichtet Christoph Allgaier von der Universität Tübingen im Fachblatt “Zoological Science”. Mehr noch: Das Tier belässt es nicht bei einem mehr oder weniger gleichmäßigen Tarnmantel, sondern modelliert weit abstehende Höcker aus dem Flechtenmaterial.

Als Untersuchungsobjekt diente Allgaier die Schnecke Napaeus barquini. Die Art lebt auf der Kanareninsel La Gomera an flechtenbedeckten Felshängen. Etwa 1 Zentimeter groß, weiden die Tiere kleine Flechtenstücke vom Untergrund ab und setzen diese im feuchten Zustand auf ihr Gehäuse. Schon junge Exemplare zeigen dieses komplexe und festen Regeln folgende Verhalten, fand der Forscher.

Dank der Flechtenhöcker lösen sich die Umrisse der Schnecke auf den offenen Felsflächen regelrecht auf. Vermutlich sind sie so für natürliche Feinde wie Vögel und Eidechsen schwerer auszumachen. Andere Schnecken tragen dagegen eine vergleichsweise einfache Tarnschicht aus Erdkrümeln. Ob sie diese ebenfalls aktiv konstruieren oder sich eher passiv aneignen, ist nicht bekannt.

Forschung: Christoph Allgaier, Zoologisches Institut, Abteilung Evolutionsbiologie der Invertebraten, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Veröffentlichung Zoological Science, Vol. 24(9), pp 869-76, DOI 10.2108/zsj.24.869

WWW:
Evolutionsbiologie der Invertebraten, Uni Tübingen
Die Weichtierschale

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