Biologische Vielfalt und Klima eng verknüpft
Mittwoch, 24. Oktober 2007, 6:01 • Rubrik Biologie, Klima, Umwelt.
Der Klimawandel wird das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten wahrscheinlich beschleunigen. Diese Ansicht bekräftigt eine statistische Analyse, die drei englische Biologen durchgeführt haben. Demnach gingen ungewöhnliche hohe Temperaturen in den letzten 520 Millionen Jahren typischerweise mit Einbrüchen in der Entwicklung der biologischen Vielfalt einher.
In “Treibhaus”-Phasen entwickelt sich die Biodiversität zögerlicher als in “Kühlhaus”-Phasen. Bild: NASA Johnson Space Center – Earth Sciences and Image Analysis
“Unsere Resultate liefern die ersten klaren Belege dafür, dass das globale Klima beträchtliche Schwankungen in dem Fossilienmaterial auf einfache und stimmige Weise erklären könnte”, formuliert Peter Mayhew von der University of York. Frühere Untersuchungen hätten keinen derartigen Zusammenhang schlüssig aufzeigen können, da sie zu kurze Zeiträume, zu kleine Gebiete oder zu wenige Organismengruppen betrachtet hätten.
Für ihre neue Studie verknüpften Mayhew und zwei Kollegen mehrere Datensammlungen. Dazu gehörten der Verlauf der Meerestemperatur seit dem Erdaltertum, wie er aus alten Kalksedimenten rekonstruiert worden war, sowie ein erdgeschichtliches “Inventar” der biologischen Vielfalt, angelegt anhand von Fossilienfunden in unterschiedlich alten Gesteinsschichten. Die Resultate präsentiert das Trio in den “Proceedings of the Royal Society”.
Zunächst rechneten die Forscher sehr langfristige Trends aus den Datenreihen heraus – etwa den Anstieg der biologischen Vielfalt, den die Erde erfahren hat, indem die ersten, gut als Fossilien konservierbaren Tiere auftauchten oder Tiere und Pflanzen das Land eroberten. In den so geglätteten Kurven fahndeten sie dann nach relativ kurzfristigen, synchronen Ausschlägen.
Schlug die Temperaturkurve für einige Zehn Millionen Jahre nach oben aus, stieg auch die Rate, mit der Tier- und Pflanzenfamilien entstanden bzw. verschwanden. Netto ergab sich stets ein “Abwärtsknick” in der Entwicklung der Familienzahl. Vier der fünf großen Massensterben der Erdgeschichte fielen in solche Phasen. Entgegengesetzte Trends waren in Kaltphasen zu beobachten.
“Auf den ersten Blick lassen unsere Ergebnisse also vermuten, dass die globale Erwärmung der Biodiversität abträglich sein könnte”, folgern Mayhew und Kollegen. Solange die Wechselwirkungen zwischen Klima und Vielfalt nicht verstanden seien, müsse diese Interpretation jedoch als vorläufig betrachtet werden. Grundsätzlich sei nicht auszuschließen, dass Flora und Fauna wiederum das Klima merklich beeinflussten oder die kosmische Umgebung der Erde ebenfalls eine Rolle spiele.
Forschung: Peter J. Mayhew und Gareth B. Jenkins, Department of Biology, University of York, York, und Timothy G. Benton, Institute of Integrative and Comparative Biology, University of Leeds, Leeds
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2007.1302
WWW:
Department of Biology, University of York
Faculty of Biological Sciences, University of Leeds
The Tree of Life
The Fossil Record
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