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Diebische Galaxie in flagranti erwischt

23. Oktober 2007 |

Falschfarbenbild zeigt die beiden Galaxien als größeren und kleineren hellen Fleck vor dunklem Hintergrund, zwischen beiden eine schemenhafte Brücke Amerikanische Astronomen haben eine Galaxie beim Diebstahl im großen Maßstab beobachtet. Ihre Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Spitzer zeigen, wie die Schwerkraft der Galaxie enorme Gasmassen aus einer kleineren Nachbarin abzieht. Das “Diebesgut” hat sich bei dem Ringen stark aufgeheizt und sendet intensive Infrarotstrahlung aus.

Die beiden etwa 1 Milliarde Lichtjahre entfernten Galaxien, aufgenommen im Infrarotlicht vom Weltraumteleskop Spitzer (Rot, Grün und Blau entsprechen 8, 4,5 bzw. 3,6 Mikrometen Wellenlänge). Bild: NASA/JPL-Caltech

Sobald sich die Gasmassen hinreichend abgekühlt haben, könnten sie das Rohmaterial für neue Sterne stellen, erklärt Patrick Ogle vom California Institute of Technology. “Vielleicht sehen wir die alte, größere Galaxie in einem seltenen und kurzen Akt der Wiedergeburt - als junge Galaxie voller strahlender Sterne.” Ogle und Kollegen präsentieren ihre Resultate im Fachblatt “Astrophysical Journal”.

Bei früheren Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop war den Astronomen eine Reihe von Galaxien aufgefallen, die offenbar in Massen heißen Wasserstoffgases baden. Im Rahmen ihrer jüngsten Studie nahmen die Forscher eines dieser Objekte genauer unter die Lupe: Ihrem Infrarotspektrum nach zu urteilen, birgt die Galaxie 3C 326 Nord gut 1 Milliarde Sonnenmassen an bis zu 730 Grad Celsius heißem, molekularen Wasserstoff. Gleichwohl weist sie keine besonders rasche Sternentstehung auf.

Eine Erklärung für die Beobachtungen liefert ein Schweif aus Sternen, der sich von der großen Galaxie zu einer kleineren, südlich gelegenen Nachbargalaxie zieht. Dieser Schweif lässt vermuten, dass es zu einer Art Schwerkraft-Tauziehen zwischen den ungleichen Geschwistern gekommen ist, bei dem der Wasserstoff von der kleineren auf die größere überging. Auf lange Sicht könnte es sogar zur vollständigen Verschmelzung der beiden Galaxien kommen.

Die große Galaxie 3C 326 Nord ist bereits als starke Quelle von Radiostrahlung bekannt. Diese Strahlung geht von zwei beinahe lichtschnellen Materialströmen aus, die an dem supermassiven Schwarzen Loch in ihrem Zentrum entspringen. Die beiden Materieströme könnten sich zumindest teilweise aus dem gestohlenen Wasserstoff speisen, vermutet Ogle. Und indem sich das Gas abkühle, werde vermutlich auch mehr davon auf das Schwarze Loch stürzen und so die beiden Ströme verstärken.

Forschung: Patrick Ogle, Spitzer Science Center, California Institute of Technology, Pasadena; David Whysong, National Radio Astronomy Observatory, Socorro, New Mexico; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 668, pp 699-707; Preprint arXiv:0707.0896

WWW:
Spitzer Space Telescope
Galaxy Interactions
Black Holes Bipolar Jets

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