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Alte Vögel gehen besser fremd

23. Oktober 2007 |

Foto: Tannenmeise, kleiner schwarz-weißer Vogel, in einer Hand gehalten Bei Tannenmeisen lohnt sich ein Seitensprung umso eher, je älter das Männchen ist. Biologen aus Bonn und Wilhelmshaven haben ermittelt, dass ältere Männchen mehr Nachwuchs haben als jüngere Geschlechtsgenossen. Der Effekt kommt allein durch die größere Zahl “außerehelicher” Küken zustande.

Die Tannenmeise gehört in der Vogelwelt zu den Top 10 unter den Fremdgehern. Foto: Dr. Tim Schmoll, Universität Bonn

“Der Alterseffekt ist sehr ausgeprägt und robust”, erklärt Tim Schmoll von der Universität Bonn. Die Gründe dafür seien jedoch unklar. Möglicherweise verfügten Männchen, die ein höheres Alter erreicht hätten, schlicht über besonders gute Gene und würden von den Weibchen bevorzugt. Vermutlich spiele auch die Erfahrung des Männchens eine Rolle.

Schmoll und seine Kollegen analysierten Daten über Tannenmeisen (Periparus ater) in einem niedersächsischen Nadelwald. Die Population wird seit Jahrzehnten studiert und viele der Tiere sind beringt, sodass auch ihr Alter bekannt ist. In den Jahren 2000 und 2001 nahmen die Forscher die genetischen Fingerabdrücke von 200 Brutpaaren samt Nachkommen, um mehr über die Vaterschaftsverhältnisse in den Nestern zu erfahren.

Bei den Erstbruten im Mai ist beinahe jeder dritte Nestling ein “Kuckuckskind”, bei den Zweitbruten im Juni ist es sogar jeder zweite, berichten die Forscher im Fachblatt “Behavioral Ecology”. Dabei zeugen die Männchen in ihrem ersten Brutjahr im Schnitt nur 0,3 Nachkommen außerhalb ihrer sozial monogamen Beziehung. In den folgenden Jahren sind es dagegen knapp 2 Nachkommen in fremden Nestern. Der Fortpflanzungserfolg mit der Partnerin bleibt dagegen konstant.

Vielleicht wissen alte Hasen besser als Grünschnäbel, wann sie mit der Nachbarin turteln und ihr eigenes Weibchen im Gegenzug unbewacht lassen können, so die Forscher. Auch die Routine bei der Brutpflege könne bei dem Alterseffekt eine Rolle spielen: Beim ersten Nachwuchs gingen die Männchen vielleicht noch so flatterhaft zu Werke, dass fürs Fremdgehen schlicht keine Muße bleibe.

Forschung: Tim Schmoll, Verena Mund, Verena Dietrich-Bischoff und Thomas Lubjuhn, Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Wolfgang Winkel, Institut für Vogelforschung “Vogelwarte Helgoland”, Wilhelmshaven

Veröffentlichung Behavioral Ecology, DOI 10.1093/beheco/arm082

WWW:
Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie, Uni Bonn
“Vogelwarte Helgoland”
Tannenmeise

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