Posted in: Geologie 17. Oktober 2007 19:01 Weiter lesen →

Wie Indien schnell wurde

Blick auf Indien und Sri-Lanka Vor etwa 50 Millionen Jahren prallte der indische Subkontinent mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Zentimetern pro Jahr auf den eurasischen Kontinent. Eine mögliche Erklärung für dieses rasante Tempo präsentieren indische und deutsche Forscher im Magazin „Nature“. Der Subkontinent hat nur etwa halb so viel Tiefgang wie andere Kontinente. Daher gleitet er vielleicht besonders leicht durch das knetgummiartige Äußere des Erdmantels.

Südspitze des Indischen Subkontinents (rechts angeschnitten: Sri Lanka). Bild: NASA

Der geringe Tiefgang könnte wiederum mit der Entstehung des Subkontinents in engem Zusammenhang stehen, vermuten die Forscher um Prakash Kumar vom Nationalen Geophysikalischen Forschungsinstitut in Hyderabad und Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam. Der gleiche „Schneidbrenner“, der vor rund 140 Millionen Jahren den Urkontinent Gondwanaland spaltete und so den Indischen Ozean eröffnete, könnte auch die Hälfte des indischen Fundaments weggeschmolzen haben.

Die Geophysiker analysierten Daten über seismische Wellen, die von in und um den Indischen Ozean verteilten Messstationen registriert worden waren. Insbesondere fahndeten sie nach einer Art Nachhall. Dieser kommt zustande, wenn seismische Wellen des langsameren S-Typs auf eine Grenzschicht im Untergrund treffen und dort ein Teil von ihnen in den schnelleren P-Typ umgewandelt wird. Je größer der zeitliche Abstand ist, mit der die ungleichen Zwillinge an der Messstation ankommen, desto tiefer liegt die Sprungschicht.

Anhand dieses Effekts berechneten die Forscher, in welcher Tiefe die spröde Lithosphäre in die zäh-plastische Asthenosphäre übergeht. Sie fanden, dass der Übergang unter den Anrainerkontinenten des Indischen Ozeans in 180 bis 300 Kilometer Tiefe liegt. Lediglich unter Indien und den einst daran angrenzenden Teilen Afrikas und Antarktikas reichen die kontinentalen Wurzeln lediglich 80 bis 120 Kilometer tief.

Forschung: Prakash Kumar, M. Ravi Kumar und R.K. Chadha, National Geophysical Research Institute, Hyderabad; Xiaohui Yuan, Rainer Kind und Xueqing Li, Geoforschungszentrum Potsdam und Institut für Geologische Wissenschaften, Freie Universität Berlin

Veröffentlichung Nature, Vol. 449, 18. Oktober 2007, pp 894-7, DOI 10.1038/nature06214

WWW:
National Geophysical Research Institute, Hyderabad
Sektion Seismologie, GFZ Potsdam
Die Entstehung des Himalaja
Seismische Wellen
Receiver Functions
Die Erde vor 152 Millionen Jahren
Plume / Megaplume

Posted in: Geologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (1 Bewertungen, im Schnitt 4,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.