Posted in: Biologie 16. Oktober 2007 05:01 Weiter lesen →

Schnelle Kröten mit Rückenproblemen

Foto einer großen Kröte mit gut hellbrauner, warziger Haut, großen Hinterohrdrüsen und gut sichtbarem TrommelfellDie Eroberung eines neuen Lebensraumes ist kein Zuckerschlecken. Das gilt auch für die riesenhafte Agakröte auf ihrem Siegeszug durch den fünften Kontinent, haben australische Biologen ermittelt. Die besonders kräftigen Tiere an der vordersten Front der Invasion haben häufig mit schweren Rückenproblemen zu kämpfen.

Langbeinige Agakröten kommen besser voran, haben aber auch eher Probleme mit Wirbelverschleiß. Foto: Copyright Ben Phillips

„Ironischerweise haben eben jene Faktoren, die zu der rasanten Ausbreitung der Kröte über den Kontinent beitragen, auch ihre Anfälligkeit für Gelenkverschleiß gesteigert“, erklärt Richard Shine von der University of Sydney. „Größere und längere Beine erhöhen zwar ihre Fähigkeit, neues Territorium zu erobern, steigern jedoch auch die Belastung des Körpers bei jedem einzelnen Satz.“

Die Agakröte wird bis zu 2 Kilogramm schwer und 20 Zentimeter lang und ist obendrein hochgiftig. In Südamerika beheimatet, war sie im Jahr 1935 im Nordosten Australiens zur Schädlingskontrolle ausgesetzt worden. Seitdem breitet sie sich dort immer rascher aus – mit verheerenden Folgen für die heimische Fauna. Bereits früher hatten Shine und seine Arbeitsgruppe beobachtet, dass die Invasion von großen Tieren vorangetrieben wird, die längere Beine haben und sich häufiger und geradliniger bewegen als Artgenossen in längst etablierten Populationen.

Wie die Forscher nun in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten, leidet mindesten jede zehnte der großen Front-Kröten unter einer krankhaften Veränderung der bandscheibenlosen Wirbelsäule: Bei ihnen ist der Knochen an der Gelenkfläche zwischen einzelnen Wirbeln dermaßen gewuchert, dass die Wirbel nicht mehr gegeneinander beweglich sind. Unter den kleineren, von Schnauzen- bis Steißbeinspitze höchstens 8 Zentimeter messenden Exemplaren, wies kein einziges eine solche Deformation auf.

Die betroffenen Gelenke sind häufig von einem Bodenbakterium besiedelt, das mitunter bei Menschen mit Blutvergiftung oder unterdrücktem Immunsystem auftritt. Indem die Vorhut-Kröten einen besonders großen Teil ihrer Ressourcen in die Fortbewegung investierten, bleibe vielleicht nur wenig für das Immunsystem übrig, spekulieren die Forscher.

Forschung: Gregory P. Brown, Cathy Shilton, Benjamin L. Phillips und Richard Shine, School of Biological Sciences, University of Sydney, New South Wales, und Department of Primary Industries, Fisheries, and Mines, Berrimah Veterinary Laboratory, Darwin, Northern Territory

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0705057104

WWW:
The Shine Lab
Cane Toads

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Gefräßige Kröte macht immer längere Sätze

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