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Galaktisches Dornröschen

16. Oktober 2007 16:01

Eine vermeintliche “Babygalaxie” in der kosmischen Nachbarschaft der Milchstraße ist deutlich älter als angenommen. Eine Gruppe italienischer und amerikanischer Astronominnen hat entdeckt, dass die bislang auf 500 Millionen Jahre geschätzte Galaxie Sterne enthält, die mehrere Milliarden Jahre alt sein könnten.

Hubble-Aufnahme zeigt I Zwicky 18 als 'Knoten' aus weiß-bläulichen Schwaden mit einigen rötlichen Flecken; nahebei eine weitere Galaxie, im Hintergrund viele kleine rötliche Objekte unterschiedlicher Gestalt

Vielleicht hat erst der Schwerkraftzug einer weiteren, nahe gelegenen Galaxie (links oben) I Zwicky 18 aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Bild: NASA, ESA and A. Aloisi (ESA/STScI)

“Auch wenn die Galaxie nicht so jung ist wie angenommen, so ist sie doch mit Sicherheit in ihrer Entwicklung gehemmt und einzigartig im lokalen Universum”, erklärt Alessandra Aloisi von der Europäischen Weltraumagentur ESA, derzeit tätig am Space Telescope Science Institute in Baltimore. Die Hoffnung, die Jugend einer Galaxie aus nächster Nähe studieren zu können, habe sich allerdings in Wohlgefallen aufgelöst.

Die Galaxie mit Namen “I Zwicky 18″ war schon vor Jahrzehnten aufgefallen, weil sie erst kürzlich einen wahren Boom der Sternentstehung erlebt zu haben scheint - einige Milliarden Jahren nach ihren Nachbarn. Weitere Beobachtungen zeigten, dass sie beinahe ausschließlich die leichtesten Elemente Wasserstoff und Helium enthält und extrem wenig der schwereren Elemente, die erst bei der Kernfusion im Inneren von Sternen erzeugt werden.

Aloisi und Kolleginnen analysierten Daten des Weltraumteleskops Hubble, um mehr über den ungewöhnlichen galaktischen Säugling zu erfahren. Wie die Forscherinnen in den “Astrophysical Journal Letters” berichten, stießen sie auf Rote Riesensterne, deren Alter sie auf mindestens 1 Milliarde und bis zu 10 Milliarden Jahre schätzen. Demnach ist I Zwicky 18 wohl nicht viel später entstanden als andere Galaxien.

Gemessen an ihrer immer noch recht urtümlichen Zusammensetzung, kann die Galaxie während des größeren Teils ihres Daseins nur sehr wenige Sterne gebildet haben. Der Grund für diesen langen Dornröschenschlaf ist unklar. Was das Erwachen angeht, haben die Astronominnen allerdings eine Vermutung: Der Schwerkraftzug einer weiteren Galaxie könnte den Anstoß zu der späten, aber rasanten Sternentstehung gegeben haben.

Forschung: Alessandra Aloisi, Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland; Gisella Clementini, INAF-Osservatorio Astronomico di Bologna; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 667, L151-L154

WWW:
Galaxy Formation
Space Telescope Science Institute
- Hubble Uncovers a Baby Galaxy in a Grown-up Universe
INAF-Osservatorio Astronomico di Bologna

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