Posted in: Genetik, Medizin 11. Oktober 2007 20:01 Weiter lesen →

Jeder Tumor ist (genetisch) anders

Grafik zeigt eine graue Ebene, aus der sich an einzelnen Stellen unterschiedlich hohe, rote Hügel und Berge erhebenKein Tumor ist identisch mit einem anderen. Diese Ansicht bekräftigt ein minutiöser Erbgutvergleich an einzelnen Brust- bzw. Darmtumoren, den amerikanische und russische Forscher durchgeführt haben. Zwar weist die Landkarte der genetischen Veränderungen eine Handvoll ähnlicher „Berge“ auf, das Muster der zahlreichen „Hügel“ ist jedoch individuell unterschiedlich.

In Dickdarmkrebs-Zellen sind wenige Gene häufig mutiert, viele Gene dagegen relativ selten. Grafik: Copyright Science

In der Vergangenheit habe sich die Krebsforschung aus technischen Gründen auf die Berge, die in vielen Tumoren mutierten Gene, konzentriert, schreiben die Forscher um Bert Vogelstein von der Johns Hopkins University im Magazin „Science“. Die Identifikation sämtlicher veränderter Gene in einem Tumor könne die Behandlung mit Medikamenten verfeinern helfen und vielleicht individuelle Immuntherapien ermöglichen.

In Fortführung einer früheren Studie untersuchten Vogelstein und Kollegen das Erbgut von je 11 Brust- und Dickdarmtumoren. Die Analyse ergab, dass 1.718 von 18.191 sequenzierten Genen in mindestens einem Tumor eine Mutation aufwiesen, die zu einem veränderten Protein führte. Durch Abgleich mit weiteren Gewebeproben ermittelten die Forscher, dass 280 dieser veränderten Gene mit einiger Wahrscheinlichkeit zu dem abnormen Verhalten der Zellen beitrugen.

In jedem Tumor waren 38 bis 193 Gene mutiert, darunter im Schnitt auch 14 bis 15 dieser „Kandidatengene“. Das genaue Muster unterschied sich zwischen Brustkrebs- und Dickdarmkrebs-Proben einerseits und zwischen den einzelnen Patienten andererseits. Vogelstein und Kollegen konnten das Bild jedoch etwas vereinfachen, indem sie die Gene einzelnen Signalwegen zuordneten. Möglicherweise führten Veränderungen unterschiedlicher Gene eines Signalwegs zu ähnlichen Veränderungen im Verhalten der Zelle, so die Forscher.

Etwa ein Drittel des vielköpfigen Autorenteams arbeitet in Unternehmen, die Werkzeuge für umfassende Gentests und die Analyse genetischer Daten anbieten. Vogelstein und drei Kollegen erklären zudem, an den Einnahmen beteiligt zu werden, die ihre Universität mit ihren Forschungsergebnissen erwirtschaftet. Zudem sind sie Gesellschafter einer weiteren Biotechnologie-Firma.

Forschung: Laura D. Wood, Tobias Sjöblom und Bert Vogelstein, Ludwig Center for Cancer Genetics and Therapeutics und Howard Hughes Medical Institute at Johns Hopkins Kimmel Cancer Center, Baltimore, Maryland; und andere

Veröffentlichung Science Express, 11. Oktober 2007, DOI 10.1126/science.1145720

WWW:
Hopkins Kimmel Cancer Center
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
Mechanismen moderner Krebstherapien
Signal Transduction

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