Posted in: Astronomie 5. Oktober 2007 06:01 Weiter lesen →

Naher Stern könnte Erden bekommen

Tiefe Einblicke in die Entstehung erdähnlicher Planeten könnte ein Stern in der Nachbarschaft der Sonne erlauben. Ein internationales Astronomenteam hat ermittelt, dass der Staub in dem System einerseits nicht mehr ganz urtümlich ist, andererseits noch nicht aus „ausgewachsenen“ Asteroiden oder Planeten stammt.

HD113766
Bild: NASA/JPL-Caltech/JHUAPL

Besonders interessant sei ein Gürtel warmen Staubs, der den Stern HD 113766A im 1,8-Fachen des Abstandes der Erde von der Sonne umgebe, erläutert Carey Lisse von der Johns Hopkins University. „Der Materialmix in diesem Gürtel erinnert am ehesten an Lavaflüsse auf der Erde“, so der Forscher. Beim ersten Blick auf die Staub-Zusammensetzung in dem System habe er spontan an Material vom Vulkan Mauna Kea auf Hawaii denken müssen.

HD 113766A strahlt gut viermal so hell wie die Sonne und ist lediglich 16 Millionen Jahre jung. Lisse und Kollegen analysierten Infrarotspektren des Sterns, die eine Gruppe um Christine Chen vom National Optical Astronomy Observatory kürzlich mit dem Weltraumteleskop Spitzer aufgenommen hatte. Mit diesen Daten fütterten sie ein Modell, das sie im Rahmen der Mission Deep Impact entwickelt hatten, um mehr über die Zusammensetzung des Kometen Tempel 1 zu erfahren.

In dem relativ warmen Staubgürtel gibt es demnach kaum noch Wassereis, Karbonate oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, wie sie in der Umgebung eines neugeborenen Sterns reichlich vorhanden sind. Umgekehrt haben sich Eisen und andere Schwermetalle in dem Staub bislang kaum von den Mineralien getrennt, wie es im Inneren von Planeten und großen Asteroiden geschieht.

Die wahrscheinlichste Erklärung für diese Resultate sei ein junger, dicht bevölkerter Asteroidengürtel, so Lisse und Kollegen. In diesem Gürtel stießen immer wieder kleinere Brocken zusammen und erzeugten so die beträchtlichen Staubmengen. Aus diesem Material könnten letztlich terrestrische Planeten heranwachsen – und das in einem Abstand vom Stern, in dem flüssiges Wasser Bestand haben könnte. Eine denkbare Quelle für dieses Wasser sind zwei weitere, allerdings eisige Staubgürtel in größerer Entfernung von dem Gestirn.

Forschung: Carey M. Lisse, Space Department, Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Laurel, Maryland; Christine H. Chen, National Optical Astronomy Observatory, Tucson, Arizona; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal, Preprint arXiv:0710.0839; Präsentation auf dem Treffen der American Astronomical Society Division for Planetary Sciences, Orlando

WWW:
Johns Hopkins University Applied Physics Lab
Evolution of Our Solar System
Circumstellar Disks
Extrasolar Planets Encyclopaedia

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