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Palmfarn sendet Bestäuber aus

4. Oktober 2007 |

Foto: Fleischiger, gelblicher Zapfen eines männlichen Palmfarns; auf der Oberfläche und zwischen den 'Schuppen' krabbeln Massen kleiner fliegenartiger InsektenRasierwasser kann, je nach Dosierung, angenehm oder abstoßend riechen. Dieses Prinzip macht sich auch ein urtümlicher Palmfarn im Umgang mit Bestäubern zunutze, hat eine amerikanische Botanikerin entdeckt. Die männlichen Zapfen der Pflanze dünsten im Tagesverlauf unterschiedlich stark Duftstoffe aus, um Insekten erst anzulocken und dann, mit Pollen beladen, wieder auf die Reise zu schicken.

Allmittäglich schicken männliche Palmfarne mit Pollen beladene Bestäuber auf die Reise. Foto: Irene Terry, University of Utah

Normalerweise setzten Pflanzen allein auf die anziehende Wirkung von Duft und Farbe, erklärt Irene Terry von der University of Utah. “Dieser Palmfarn zeigt dagegen ein spezifisches Sexualverhalten, das darauf abgestimmt ist, Fransenflügler abzustoßen, anzuziehen und zu täuschen”, so die Forscherin. Über ihre Beobachtung berichtet Terry gemeinsam mit amerikanischen und australischen Kollegen im Magazin “Science”.

Palmfarne (Cycadaceae) sehen modernen Palmen zwar ähnlich, stellen jedoch eine sehr viel ältere, urtümlichere Gruppe von Pflanzen. Mit Macrozamia lucida studierten Terry und Kollegen einen Vertreter, dessen Staub- bzw. Blütenblätter in fleischigen Zapfen angeordnet sind. Diese Zapfen erwärmen sich in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden auf bis zu 12 Grad Celsius über die Umgebungstemperatur. Damit nimmt auch der typische Duft der männlichen Zapfen dramatisch an Intensität zu. “Es raubt einem förmlich den Atem”, so Terry.

Eine ähnliche Wirkung hat der strenge Geruch auf Fransenflügler, die sich vom Pollen in den männlichen Zapfen ernähren. Während sie die Zapfen vormittags und abends zielstrebig ansteuern, meiden sie diese in der “heißen Phase”, ergaben die Laborversuche der Forschergruppe. Verantwortlich dafür scheint eine flüchtige Verbindung namens beta-Myrcen zu sein. In niedriger Dosierung attraktiv, wirkt sie in höherer Konzentration sogar giftig auf die Insekten. Daher ergreifen diese gegen Mittag die Flucht aus den männlichen Zapfen. Wenn sie sich schließlich wieder auf den Zapfen niederlassen, landen viele auf weiblichen Pflanzen und bestäuben diese, obwohl es dort nichts zu fressen gibt.

Vermutlich hätten Pflanzen sehr früh in ihrer Evolution nur deshalb Duftstoffe produziert, um pflanzenfressende Insekten abzuschrecken, erläutern Terry und Kollegen. Erst mit dem Übergang von der Wind- zur Insektenbestäubung habe die anziehende Wirkung an Bedeutung gewonnen. Möglicherweise stellten die Palmfarne ein Zwischenstadium in dieser Entwicklung dar.

Forschung: Irene Terry und Robert Roemer, Department of Biology und Department of Mechanical Engineering, University of Utah, Salt Lake City; Craig Hull, School of Integrative Biology, University of Queensland, Brisbane; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 318, 5. Oktober 2007, p 70, DOI 10.1126/science.1145147

WWW:
Homepage Irene Terry
Cycadaceen (Palmfarngewächse)
Fransenflügler

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