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Rätselhafter Radioblitz

27. September 2007 |

Mathew Bailes Auf einen ebenso kurzlebigen wie intensiven Ausbruch von Radiostrahlung sind amerikanische und australische Astronomen gestoßen. Bereits vor sechs Jahren von einem australischen Radioteleskop aufgefangen, ging die Energie des Blitzes weit über die Messskala der eingesetzten Detektoren hinaus - und das, obwohl sein Ausgangspunkt Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt sein dürfte.

Matthew Bailes, Swinburne University of Technology

“Wir haben es hier mit einer neuartigen, nie zuvor gesehenen Erscheinung im Kosmos zu tun. Das ist freilich etwas aufregender als die Entdeckungen, die Astronomen sonst so machen”, formuliert Matthew Bailes von der Swinburne University of Technology. Der Forscher und seine Kollegen beschreiben ihren Fund in einem online veröffentlichten Artikel des Magazins “Science”.

Die Gruppe fahndete in den Datenarchiven des australischen Parkes-Radioteleskops nach eventuellen Radiopulsen. Fündig wurde sie in den Aufzeichnungen vom 24. August 2001. Während das Teleskop einen Bereich südlich der Kleinen Magellanschen Wolke bei Frequenzen um 1,4 Gigahertz beobachtete, wurde es von einem wenige Millisekunden währenden Strahlungspuls getroffen. In gut 90 Stunden weiterer Beobachtung trat das Phänomen nicht noch einmal auf.

Zwischen Frequenzen von 1,5 und 1,3 Gigahertz verzögerte sich die Ankunftszeit des Pulses um einige Zehntel Sekunden - ein als Dispersion bezeichnetes Phänomen, wie es auch bei “buntem” Licht in Glas auftritt. Im Falle des Radiopulses dürfte es auf die Wechselwirkung der Strahlung mit freien Elektronen im intergalaktischen Raum zurückgehen, schreiben Bailes und Kollegen. Anhand der Stärke des Effekts schätzen sie, dass die Strahlungsquelle in einer Entfernung von bis zu 3,2 Milliarden Lichtjahren liegen könnte. Das Ursprungsgebiet der Strahlung selbst dürfte dagegen weniger als 1.500 Kilometer groß sein, so die Forscher. Mögliche Erklärungen könnten die Kollision zweier Neutronensterne oder das endgültige “Zerstrahlen” eines Schwarzen Lochs sein.

Obwohl nur schwer zu beobachten, könnten derartige Radioblitze relativ häufig sein. “Auf Grundlage unserer Resultate schätzen wir, dass sich jeden Tag Hunderte solch immenser Ausbrüche am Himmel ereignen sollten”, erläutert Bailes. Nun gelte es, weitere Ereignisse dieser Art zu beobachten und in den Datenarchiven aufzuspüren, um mehr über ihre Natur und ihren Ursprung zu erfahren. Nicht zuletzt könnten die Radioblitze auch helfen, die Eigenschaften des intergalaktischen Mediums zu kartieren.

Forschung: Duncan R. Lorimer, Department of Physics, West Virginia University, Morgantown, und National Radio Astronomy Observatory, Green Bank, West Virginia; Matthew Bailes, Centre for Astrophysics and Supercomputing, Swinburne University of Technology, Hawthorn, Victoria; und andere

Veröffentlichung Science Express, 27. September 2007, DOI 10.1126/science.1147532

WWW:
Pulsar Group, West Virginia University
Centre for Astrophysics and Supercomputing, Swinburne UT
Parkes Observatory
An Atlas of the Universe
Colliding Binary Neutron Stars
Zerstrahlende Schwarze Löcher?

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