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Neuer Faktor bei Transplantat-Abstoßung

27. September 2007 |

Mitunter wird ein vermeintlich gut passendes Spenderorgan vom Immunsystem des Empfängers angegriffen. Einen neuen Faktor bei solchen Abstoßungsreaktionen haben Mediziner aus Dallas und Heidelberg identifizieren können. Ist der Empfänger sensibilisiert gegen Antigene, die bei der Gewebetypisierung bislang nicht berücksichtig werden, steigt die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Abstoßung.

Zeichen der Sensibilisierung sind Antikörper, die an die MICA-Antigene binden und als Ziel für Abwehrzellen markieren. Die Forscher um Peter Stastny von der University of Texas und Gerhard Opelz vom Universitätsklinikum Heidelberg konnten solche Antikörper bei 217 von 1.910 Nierenempfängern vor der Transplantation nachweisen. In dieser Gruppe arbeiteten 88 Prozent der transplantierten Nieren nach einem Jahr noch. In der Gruppe ohne Antikörper lag der Anteil dagegen bei 93 Prozent, berichten die Forscher im “New England Journal of Medicine”.

Jeder Mensch trägt ein oder zwei Varianten von MICA-Antigenen (kurz für Major Histocompatibility-Complex Class I-Related Chain A). Diese sind verwandt mit jenen Proteinen, die alle Körperzellen dem Immunsystem gewissermaßen als Ausweis präsentieren. Anders als diese, finden sie sich jedoch nur auf bestimmten Zelltypen. Dazu gehören die Endothelzellen, welche die innere Auskleidung der Blutgefäße bilden. Beim Ermitteln der bestmöglichen Kombination von Organspender und -empfänger werden sie bislang nicht berücksichtigt.

“Wenn man ein Organ verpflanzt, kommt das Blut des Empfängers zuerst mit dem Endothel des Transplantats in Kontakt”, erläutert Stastny. Offenbar könne es auch von den MICA-Antigenen der Endothelzellen abhängen, wenn eine Spenderniere trotz guter Übereinstimmung von Spender und Empfänger versage. “Wir sagen nicht, dass alle derartigen Nieren aufgrund von Antikörpern gegen MICA versagen. Dies scheint jedoch ein Teil der Erklärung zu sein.”

Forschung: Yizhou Zou und Peter Stastny, Transplantation Immunology Division, Department of Internal Medicine, University of Texas Southwestern Medical Center, Dallas; Caner Süsal, Bernd Döhler und Gerhard Opelz, Abteilung Transplantationsimmunologie, Universitätsklinikum Heidelberg

Veröffentlichung New England Journal of Medicine, Vol. 357(13), pp 1293-300

WWW:
Transplant Immunology Investigation, UT Southwestern
Transplantationsimmunologie, Uniklinikum Heidelberg
- Collaborative Transplant Study
Nierenratgeber.de
- HLA-System und Gewebeverträglichkeit
Polymorphismus

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