Kleine RNA macht Krebszellen aggressiv
27. September 2007 |
Ein Tumor wird besonders gefährlich, wenn er aus seinem Ursprungsgewebe ausbricht und Tochtergeschwüre zu bilden beginnt. Einen neuen Faktor auf diesem Weg hat eine amerikanische Forscherin identifiziert. Ein kleines RNA-Molekül kann gutartige Brustkrebszellen so umprogrammieren, dass sie fortan bösartig wachsen.
Wird die Wirkung des RNA-Moleküls dagegen blockiert, nehmen bösartige Brustkrebszellen wieder einen gutartigen Charakter an, berichten Li Ma vom Massachusetts Institute of Technology und zwei Kollegen im Magazin “Nature”.
Das RNA-Molekül gehört zur Klasse der Mikro-RNAs. Dabei handelt es sich um Gen-Abschriften, die sich wiederum an die Abschriften anderer Gene anlagern und so deren Umsetzung in Protein blockieren. Erst in der 90er-Jahren entdeckt, spielen sie eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Wachstum und Entwicklung eines Organismus. Auffälligerweise liegt die Information für mehr als die Hälfte der menschlichen Mikro-RNAs auf Chromosomenabschnitten, die in Tumorzellen verändert sind.
Ma studierte die Wirkung von 29 Mikro-RNAs, die in normalem und in entartetem Brustgewebe unterschiedlich stark gebildet werden. Nur eine davon, miR-10b, lag in Tochtergeschwüre bildenden Tumoren in größerer Konzentration vor als in solchen, die keine Metastasen bilden. Versuchsweise steigerte die Forscherin die Produktion der Mikro-RNA in zwei Linien nicht-metastasierender Zellen. Prompt erhöhte sich deren Beweglichkeit und Bestreben, in andere Gewebe einzudringen. Wurden sie Mäusen in die Milchdrüsen injiziert, entwickelten diese metastasierenden Brustkrebs. Zellen mit normalem Spiegel von miR-10b verursachten dagegen einen nicht-streuenden Tumor.
Ausgehend von ihrer Struktur, könnte sich miR-10b an die Abschriften von etwa 100 Genen binden, ermittelten Ma und Kollegen. Eines davon, HOXD10, hat sich bei früheren Versuchen als Gegenspieler von Krebs erwiesen. Tatsächlich wird die Abschrift des HOXD10-Gens in Zellen mit übermäßig viel miR-10b nicht korrekt umgesetzt, fand die Forscherin. Brachte sie die Zellen dazu, dennoch das zugehörige Protein zu bilden, büßten diese wieder merklich an Aggressivität ein. Damit sei allerdings nicht ausgeschlossen, dass der Einfluss von miR-10b auf weitere Gene ebenfalls das Verhalten von Krebszellen beeinflusse, so Ma.
Forschung: Li Ma und Robert A. Weinberg, Whitehead Institute for Biomedical Research und Department of Biology, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, Massachusetts, und Julie Teruya-Feldstein, Department of Pathology, Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York
Veröffentlichung Nature, Online 26. September 2007, DOI 10.1038/nature06174
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Weinberg Lab
RNA Interference in the Cell
Kleine RNA mit großer Wirkung



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