Warum Männer tiefe Stimmen haben
26. September 2007 |
Dass Männer gemeinhin tiefer tönen als Frauen, ist nicht einfach ein Nebeneffekt ihres Hormonhaushaltes. Im Rahmen einer kleinen Studie hat eine amerikanische Anthropologe erstmals direkte Belege einen evolutionären Vorzug einer tieferen Stimme gefunden: Bei einem archaisch lebenden Volk in Afrika haben die Männer umso mehr Kinder, je tiefer die Grundfrequenz ihrer Stimme ist.
Foto: Tom Schmucker /Dreamstime.com
Männer mit tiefer Stimme trügen daher besonders stark zum Erbgut der nächsten Generation bei, erklärt Coren Apicella von der Harvard University. “Wenn unsere Vorfahren einen ähnlichen Prozess durchgemacht haben, könnte dies ein Grund dafür sein, dass die Stimmen von Männern und Frauen unterschiedlich klingen.” Ihre Resultate präsentieren die Forscherin und zwei Kollegen im Fachblatt “Biology Letters”.
Wie sehr sich Kehlkopf und Stimme eines Jungen während der Pubertät verändern, hängt auch von seinem Testosteronspiegel ab. Einige Studien hatten Hinweise darauf gefunden, dass Frauen dieses Merkmal als Indikator der Vaterqualitäten zu deuten wissen und bei der Wahl des Partners berücksichtigen. Dass die Stimme auf diese Weise den Fortpflanzungserfolg eines Mannes beeinflusst, hatte jedoch - nicht zuletzt aufgrund moderner Verhütungsmethoden - nicht schlüssig gezeigt werden können.
Apicella und Kollegen führten ihre jüngste Studie bei den Hadza in Tansania durch, einer der letzten verbliebenen Gesellschaften von Jägern und Sammlern. Das Forschertrio befragte 49 Männer und 52 Frauen zu ihrem Nachwuchs und analysierte Stimmaufnahmen. Demnach haben Männer mit einer sonoren, um 90 Hertz tönenden Stimme im Schnitt 0,5 Kinder mehr als aufgrund ihres Alters zu erwarten. Solche mit einer Grundfrequenz bei 140 Hertz liegen dagegen um 0,5 Kinder unter dem alterstypischen Wert.
Die Kindersterblichkeit hängt dagegen nicht von der Stimmlage des Vaters ab, fanden Apicella und ihre Kollegen. Sie schließen daher, dass die unterschiedliche Zahl lebender Nachkommen “durch einen unterschiedlich guten Zugang zu fruchtbaren Frauen vermittelt wird”. Bei Frauen zeigte sich dagegen kein Zusammenhang zwischen Stimme und Kinderzahl.
Forschung: Coren L. Apicella, Department of Anthropology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts; David R. Feinberg, Department of Psychology, Neuroscience and Behaviour, McMaster University, Hamilton, Ontario; Frank W. Marlowe, Department of Anthropology, Florida State University, Tallahassee
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2007.0410
WWW:
Homepage Coren Apicella
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