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Können Vögel das Erdmagnetfeld “sehen”?

26. September 2007 |

iStockphoto_Grasmuecken Zugvögel nehmen das Magnetfeld der Erde möglicherweise als visuellen Eindruck wahr. Das schließt eine Gruppe deutscher Forscher aus Versuchen mit Gartengraßmücken. Diese Vögel halten sich nur von Mai bis September in Europa auf, ihren Winterurlaub verbringen sie dagegen lieber im tropischen Afrika. Magnetfeldlinien, die ihnen den Weg weisen, können sie offenbar mit der Netzhaut “sehen”, sagen die Forscher.

Grasmücke. Foto: Andrew Howe /iStockphoto

Dominik Heyers von der Universität Oldenburg untersuchte zusammen mit Kollegen der TU München sowie der Ruhr-Universität Bochum, wie Informationen im Gehirn der Vögel verarbeitet werden. Dabei gingen sie von der Entdeckung ihres Oldenburger Kollegen Henrik Mouritsen aus, der spezielle Rezeptormoleküle im Auge von Zugvögeln nachgewiesen hatte. Diese stehen mit einer Struktur im Vorderhirn (Cluster N) in Verbindung, die nur aktiv wird, wenn die Vögel sich bei Nachtflug am Magnetfeld orientieren. Tagsüber dagegen sowie bei Abdeckung der Augen war Cluster N inaktiv. (Siehe Scienceticker 1, 2)

Heyers und Kollegen zeigten nun, dass Cluster N und das Auge funktional über einen Nervenschaltkreis im Hirn miteinander verbunden sind. Dazu wurden Gartengrasmücken (Sylvia borin) spezielle Farbstoffe ins Auge sowie ins Vorderhirn eingebracht, die entlang von Nervenbahnen transportiert werden. Die angefärbten Nervenfasern trafen sich im Thalamus, im Zwischenhirn des Vogels. Dieser Nervenschaltkreis ist bereits als eine Hauptnervenbahn im Vogelhirn bekannt, über die visuelle Informationen verarbeitet werden. Die Informationen zum Magnetfeld der Erde werden offenbar auf dem selben Weg geleitet. “Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Vögel das Magnetfeld sehen können”, sagt Heyers.

Nach Meinung von Miriam Liedvogel von der University of Oxford ist diese These allerdings noch nicht ausreichend bewiesen. Gegenüber Nature.com sagte Liedvogel, dazu müsse man erst prüfen, ob Manipulationen am Magnetfeld auch Veränderungen in der neuronalen Aktivität des Thalamus nach sich zögen.

Forschung: Dominik Heyers, Henrik Mouritsen, Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg; Martina Manns, Onur Güntürkün, Ruhr-Universität Bochum; Harald Luksch, Technische Universität München; in PLoS ONE 2(9): e937. doi:10.1371/journal.pone.0000937

WWW:
Artikel in PloS
Thema bei News@Nature
Gartengarmücken bei Wikipedia
Kurzfilm und Gesang des Vogels

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