Entspannter Umgang im Tropenwald
25. September 2007 | Druckversion
Obwohl in tropischen Wäldern ein Gedränge an Bäumen herrscht, ist der Umgangston zwischen den verschiedenen Arten insgesamt entspannt. Das hat ein Leipziger Ökologe gemeinsam mit zwei Kollegen aus Sri Lanka ermittelt. Nur selten stehen Bäume einer Art besonders selten oder häufig in der Nähe von Bäumen einer anderen Art. Innerhalb einer Art sind abstoßende oder anziehende Effekte dagegen recht häufig.

Foto: Nimal Gunatilleke, Universität Peradeniya
Möglicherweise treffen Tropenbäume verschiedener Arten zu selten aufeinander, als dass sich eine starke, spezifische Ab- oder Zuneigung ausbilden könnte, erläutert Thorsten Wiegand vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). “Das ist sicher nicht das letzte Wort in der Debatte”, so der Forscher. “Aber es ist ein Schritt vorwärts, die Komplexität des Ursprungs und der Erhaltung des Artenreichtums in tropischen Wäldern zu verstehen.”
Gemeinsam mit einem Botaniker-Ehepaar von der Universität Peradeniya betrachtete Wiegand die Situation im Sinharaja-Nationalpark, dem letzten ursprünglichen Regenwald Sri Lankas. Dort sind seit Mitte der 90er-Jahre alle mindestens fingerdicken Bäume auf einer 25 Hektar großen Fläche kartiert worden. In diesen Daten fahndeten die Forscher nach Mustern der räumlichen Verteilung von 46 Arten, die nicht durch unterschiedliche Habitatbedingungen erklärt werden konnten.
Lediglich bei 5 Prozent der 2.070 möglichen Artenpaare war eine deutliche Wechselwirkung nachweisbar, berichten die Forscher im Fachblatt “American Naturalist”. Zwar sei aus früheren Studien bekannt, dass Überleben und Wachstum eines Baumes von seinen Nachbarn abhingen. Vermutlich neutralisiert sich der Großteil der zahllosen anziehenden bzw. abstoßenden Effekte jedoch, sodass die meisten Arten ein scheinbar indifferentes Verhalten gegenüber den meisten anderen zeigten.
Forschung: Thorsten Wiegand, Department Ökologische Systemanalyse, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ, Leipzig; Savithri Gunatilleke und Nimal Gunatilleke, Department of Botany, University of Peradeniya
Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 170(4), pp E77-E95, DOI 10.1086/521240
WWW:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Department of Botany, University of Peradeniya
Sinharaja Forest Reserve
Center for Tropical Forest Science: Sites
Nature Encourages Diversity in Tropical Forests
Unified Neutral Theory of Biodiversity



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