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Mastzellen gegen Bakterien

24. September 2007 |

EM-Aufnahme zeigt eine Mastzelle, die mit ihrer runden Form und zahlreichen Membranfalten durchaus Ähnlichkeit mit einem Salatkopf besitzt; darauf sitzen kleine, pillenförmige ListerienWegen ihrer Beteiligung an Allergien haftet Mastzellen ein eher negatives Image an. Tatsächlich kommt den in der Haut patrouillierenden Zellen eine wichtige Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern zu, bestätigten Experimente zweier Braunschweiger Forscher. Dabei taten sich Mäuse ohne Mastzellen schwer, eine bakterielle Infektion zu bekämpfen.

Mastzellen kommen durchaus in Kontakt mit Listerien (auf der EM-Aufnahme rot eingefärbt), scheinen jedoch nur indirekt gegen diese vorzugehen. Bild: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)

Ob in Reaktion auf harmlosen Pollen oder auf echte Krankheitserreger, in jedem Fall betätigten sich die Mastzellen als eine Art Alarmsirene, fanden Nelson Gekara und Siegfried Weiß vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Durch den Kontakt mit verdächtigen Strukturen aktiviert, schütten die Zellen auf Vorrat produzierte Botenstoffe aus und locken weitere Abwehrzellen herbei. Läuft diese Reaktion extrem verstärkt ab, können schwere Entzündungsreaktionen und ein lebensbedrohlicher allergischer Schock die Folge sein.

Gekara und Weiß verglichen Mäuse ohne und mit Mastzellen, die sie mit dem Bakterium Listeria monocytogenes infiziert hatten. Bei den Tieren der ersten Gruppe fanden sich rasch einhundert Mal mehr Bakterien in Milz und Leber als bei jenen der zweiten Gruppe. Offenbar konnte ihr angeborenes Immunsystem die Listerien nicht im Zaum halten.

Doch auch bei den Mäusen der zweiten Gruppe schienen die Mastzellen nur indirekt gegen die Bakterien vorzugehen, berichten die Forscher im Fachblatt “Cellular Microbiology”. Zwar entleerten sie bei Kontakt mit den Mikroben ihre Botenstoff-Speicherbläschen, machten jedoch keinerlei Anstalten, die Erreger aufzunehmen und zu verdauen. Erst die herbeigelockten Immunzellen übernahmen diese Aufgabe. Die Resultate stehen im Einklang mit früheren Beobachtungen einer amerikanischen Forschergruppe.

Foto:

Siegfried Weiß und Nelson Gekara begutachten das Resultat eines Experiments. Foto: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)

“Allergien und damit die Fehlfunktion der Mastzellen sind eine Folge unserer Hygiene”, ist Weiß überzeugt. “In einer Umgebung mit höherer Keimbelastung haben die Mastzellen genug Infektionen zu bekämpfen, sodass sie sich nicht auf harmlose Stoffe einschießen. Bei einem ‘zivilisierten’ Menschen langweilen sie sich gewissermaßen - und bekämpfen dann auch mal Pollen oder Nahrungsbestandteile.”

Forschung: Nelson O. Gakera und Siegfried Weiß, Molekulare Biotechnologie, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Braunschweig

Veröffentlichung Cellular Microbiology, DOI 10.1111/j.1462-5822.2007.01033.x

WWW:
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Mastzellen
Deutscher Allergie- und Asthmabund

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