Kopfbälle schlagen nicht aufs Hirn
19. September 2007 |
Wenn sich ein Fußballer im Interview als wenig wortgewandt erweist, liegt das wohl nicht an den Kopfbällen. Selbst nach einem erhöhten Pensum zeigen sich in der Rückenmarksflüssigkeit keine biochemischen Spuren eines Hirnzellschadens, haben schwedische Neurowissenschaftler im Rahmen einer kleinen Studie ermittelt.
Foto: Miflippo /Dreamstime.com
“Die Frage, ob Kopfbälle dauerhafte Gehirnschäden nach sich ziehen, konnte mit neuropsychologischen Tests und Röntgenuntersuchungen bis heute nicht eindeutig beantwortet werden”, erklärt Henrik Zetterberg von der Universität Göteborg. Die neuen Daten sprächen gegen diese Annahme. Allerdings hatten türkische Mediziner bereits vor drei Jahren berichtet, Fußballern drohten im Alter kopfballbedingte Probleme mit der Halswirbelsäule.
Zetterberg und Kollegen konnten 23 Amateurkicker für ihre Studie gewinnen. Diese köpften 10 bzw. 20, über eine Entfernung von 30 Metern geschlagene Bälle mit Schwung nach vorne. Gut eine Woche später untersuchten die Forscher die Rückenmarksflüssigkeit ihrer Probanden auf Verbindungen, wie sie von beschädigten Gehirnzellen freigesetzt werden. In keiner der beiden Gruppen konnten sie erhöhte Spiegel feststellen. Auch unterschieden sich die beiden Kopfballgruppen in ihren Werten weder untereinander noch von einer Kontrollgruppe.
Gegenteilige Resultate hatte eine frühere Studie mit Amateurboxern erbracht. Laut Zetterberg wird beim Kopfball deutlich weniger kinetische Energie auf den Kopf übertragen als bei einem Faustschlag. Zudem könnten die Fußballer den Kopf in Erwartung des Aufpralls besser stabilisieren als Boxer.
Forschung: Henrik Zetterberg und Kaj Blennow, Institutionen för neurovetenskap och fysiologi, Sahlgrenska akademin, Göteborgs universitet; und andere
Veröffentlichung British Journal of Sports Medicine, Vol. 41, pp 574-7, DOI 10.1136/bjsm.2007.037143
WWW:
Homepage der Arbeitsgruppe
Kopfball
Liquordiagnostik
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Gehirnschäden bei Amateurboxern
Steifer Hals durch Kopfbälle



Antikörper