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Zweckdienlich gefesselt

18. September 2007 |

Fotolia-Paar-250 Von besonders schönen Menschen kann man den Blick schwerlich wieder abwenden. Der Effekt variiert allerdings mit den momentanen Wünschen und Zielen des Betrachters, lassen Versuche amerikanischer Psychologen vermuten. Wer auf der Suche nach einem Partner ist, lässt sich von schönen Vertretern des begehrten Geschlechts fesseln. Wer eifersüchtig ist, fasst dagegen die potenzielle Konkurrenz besonders scharf ins Auge.

Foto: Franz Pfluegl /Fotolia.com

“Eine derartige Verzerrung der Aufmerksamkeit kann sich einstellen, auch ohne dass man sich ihrer bewusst ist”, betont Jon Maner von der Florida State University. Bemerkenswert an dem Phänomen sei auch, dass es bei Frauen und Männern gleichermaßen auftrete, schreiben der Forscher und seine Kollegen im “Journal of Personality and Social Psychology”.

Die Gruppe führte drei Experimente mit insgesamt 442 heterosexuellen Psychologiestudenten durch. Jeweils nur ein Teil der Probanden wurde zunächst gebeten, sexuell erregende Situationen zu beschreiben, Sätze erotischen Inhalts zu rekonstruieren oder aber sich vorzustellen, wie der eigene Partner eine andere Person küsst. Alle Teilnehmer sahen schließlich Portraitfotos von Männern und Frauen auf einem Bildschirm und mussten ein nach jedem Bild eingeblendetes Symbol möglichst rasch als Kreis oder Quadrat identifizieren. Dabei zeigten sich minimale, aber statistisch relevante Unterschiede in der Reaktionszeit.

Sexuell “in Stimmung” gebracht, reagierten Männer wenige Zehntelsekunden langsamer, nachdem sie das Foto einer sehr attraktiven Frau gesehen hatten. Ähnlich verlangsamt reagierten Frauen nach dem Anblick eines besonders schönen Mannes. Waren die Teilnehmer dagegen tendenziell eifersüchtig gestimmt, wurde ihr Blick von attraktiven Vertretern des eigenen Geschlechts gefesselt.

Laut Maner und Kollegen sprechen diese Resultate für die Ansicht, dass das Gehirn im Fortpflanzungsgeschäft sehr zweckdienlich arbeitet. Je nach den Absichten einer Person, spreche ihre visuelle Aufmerksamkeit schon auf der Ebene früher Verarbeitungsschritte unterschiedlich stark auf ein und denselben Reiz an.

Forschung: Jon K. Maner, Matthew T. Gailliot, D. Aaron Rouby und Saul L. Miller, Department of Psychology, Florida State University, Tallahassee

Veröffentlichung Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 93(3)

WWW:
Psychology Department, Florida State University
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