Stethoskop 2.0 - Podcast aus der Lunge
17. September 2007 |
Per Stethoskop können Ärzte viel über die Arbeit von Lunge, Herz und Darm erfahren - entsprechendes Training vorausgesetzt. Über eine mögliche Alternative berichten kanadische Mediziner auf der Tagung der European Respiratory Society in Stockholm. Ihren Versuchen zufolge, lassen sich mit einem handelsüblichen MP3-Player problemlos Atemgeräusche von klinischer Aussagekraft aufnehmen.
Das Stethoskop - ein Auslaufmodell? Foto: Falko Matte /Fotolia.com
“Qualität, Klarheit und Reinheit der lauteren Geräusche waren besser als bei allem, was ich jemals durch ein Stethoskop gehört habe”, erklärt Neil Skjodt von der University of Alberta. Ein weiterer Vorteil der digitalen Aufnahme sei, dass man sie mehrmals anhören, gemeinsam mit Kollegen diskutieren und zur elektronischen Krankenakte eines Patienten hinzufügen könne.
Zu ihren Versuchen angeregt wurden Skjodt und sein Kollege William Hodgetts durch Studien, die jüngeren Medizinern bzw. Medizinstudenten nur mäßige Fähigkeiten im Gebrauch des Stethoskops attestiert hatten. Auf der Suche nach einem Instrument zum leichteren Erfassen und Erlernen von Atemgeräuschen erstanden die beiden Forscher einen preiswerten MP3-Player. Diesen schalteten sie auf Aufnahme und drückten ihn, mit der Mikrofonöffnung zur Haut, an den Brustkorb ihrer Probanden.
Die Analyse der so entstandenen Aufnahmen zeigte, dass jede ihre eigene spektrale Signatur aufwies. Die elektronische Verarbeitung sehr komplexer Geräusche bereitete allerdings Probleme. Ähnlich erging es einer Reihe angehender Lungenfachärzte, denen die Aufnahmen vorgespielt wurden. Pfeifen und andere einfache Geräusche erkannten die Jungmediziner problemlos, mit komplizierten oder leisen Atemgeräuschen taten sie sich jedoch schwer.
Auch im Falle des “MP3-Stethoskops” sei wohl ein spezielles Training nötig, räumen Skjodt und Hodgetts ein. Die übrigen Vorzüge erscheinen ihnen jedoch als so attraktiv, dass sie nun weitere Versuche mit anderen Körpergeräuschen durchführen wollen.
Forschung: Neil M. Skjodt und William E. Hodgetts, Department of Medicine, University of Alberta, Edmonton
Präsentation auf dem 2007 Annual Congress of the European Respiratory Society, Stockholm; #E1632
WWW:
Pulmonary Research Group, University of Alberta
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