Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 13. September 2007 11:01 Weiter lesen →

Hochzeitsschmaus im Riff

Satellitenaufnahme zeigt einen Ausschnitt des Großen Barriereriffs als Saum hellblauer Untiefen im tiefblauen Meer vor dem grün-braunen FestlandWenn die Korallen Hochzeit halten, sehen Taucher mitunter die Hand vor Augen nicht mehr. Doch nicht nur für die Blumentiere markiert das massenhafte Ausstoßen von Geschlechtszellen eine besondere Zeit, haben deutsche Meeresbiologen und Kollegen aus Australien und den Vereinigten Staaten ermittelt. Das gesamte Riff legt sich ins Zeug und verhindert so, dass kostbare organische Substanz verloren geht.

Nach der Korallenhochzeit beteiligt sich das gesamte Riff an den Aufräumarbeiten. Bild: NASA/GSFC/LaRC/JPL, MISR Team

„Insgesamt konnten wir zeigen, dass das Massenablaichen der Korallen dramatische und lang andauernde Effekte auf das komplizierte Riffökosystem haben kann“, erläutert Christian Wild von der Universität München. Der Forscher und seine Kollegen führten ihre Arbeit im Großen Barriereriff vor der australischen Ostküste durch.

Koordiniert von Mondphase, Tageslänge und Wassertemperatur, entlassen die dortigen Korallen in einer einzigen Sommernacht ihre Eizellen und Spermien ins Meer. Noch am nächsten Tag kann das normalerweise nährstoffarme Wasser bis zu elfmal mehr organische Schwebstoffe enthalten als üblich, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Coral Reefs“.

Damit setzt eine kaskadenartige Reaktion ein, zeigten die vor Heron Island im Südteil des Riffs entnommenen Proben. Einerseits kommt es zu kurzen Algenblüten. Andererseits steigt der Sauerstoffbedarf rapide an und bleibt mehrere Tage auf hohem Niveau, indem Mikroben im Wasser die Geschlechtszellen verwerten. Auch das Sediment wird mit einem wahren organischen Schnee bedacht, sodass die von den Korallen entlassene Materie rasch wieder in den Riff-Nahrungsketten auftaucht und darin weitergereicht wird.

„Das Ökosystem Korallenriff verfügt offenbar über die geeigneten, schnellen Recyclingmechanismen, um den Verlust von wichtigen Nährelementen während der Korallenblüte stark zu reduzieren“, folgert Wild. Ein ähnliches Massenlaichen sei von anderen Riffen bekannt, etwa im Golf von Mexiko und vor Japan. Vermutlich seien dort ähnliche Mechanismen am Werk.

Forschung: Christian Wild und Carin Jantzen, Geo Bio Center, Department Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München; Markus Hüttl, Department of Oceanography, Florida State University, Tallahassee; und andere

Veröffentlichung Coral Reefs, DOI 10.1007/s00338-007-0298-7

WWW:
AG Wild, Uni München
Ökosystem Korallenriff
Hard Core Spawn
Great Barrier Reef Marine Park Authority
Riffe.de

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