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MS: Antikörper attackieren Nervenfasern

Dienstag, 11. September 2007, 19:10 • Rubrik Medizin.

Bei der Multiplen Sklerose richtet sich das Immunsystem nicht allein gegen die Isolierung der Nervenfasern. Mediziner aus Aberdeen und München haben entdeckt, dass manche Patienten auch Antikörper gegen die Fasern selbst in sich tragen. Möglicherweise trägt die Wirkung dieser Antikörper zu dem komplexen Krankheitsgeschehen bei.

Gerade die unwiderrufliche Zerstörung der feinen Nervenausläufer, der Axone, führe zu bleibenden Ausfallerscheinungen, erklärt Edgar Meinl von der Universität München und vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried. Die neu entdeckten Antikörper seien jedoch nicht die Ursache der Multiplen Sklerose, betont der Forscher.

Bei der Erforschung der Multiplen Sklerose stand lange Zeit das Myelin im Vordergrund, eine von Hilfszellen gebildet Isolierung, die die Axone umgibt und deren Leitungsgeschwindigkeit erhöht. Meinl und Kollegen wollten nun herausfinden, auf welche Weise das Immunsystem die Axone selbst schädigen kann. Dazu unternahmen sie eine systematischen Analyse der im Blut von MS-Patienten enthaltenen Proteine. Tatsächlich fanden sie Antikörper gegen Neurofascin. Das Protein sitzt in freiliegenden Stellen der Axonmembran, den Ranvierschen Schnürringen, und trägt dort zur Organisation der Signalweiterleitung bei.

Eine Variante des Neurofascins kommt dagegen in den Hilfszellen vor und hilft, deren Myelin an den Nervenfasern zu verankern. Die Antikörper aus dem Patientenblut erkennen beide Varianten, berichten die Forscher im “Journal of Experimental Medicine”. Zu Gewebekulturen gegegen, blocken sie die Weiterleitung von Nervensignalen darin. Zudem verstärkten sie bei einem Tiermodell der MS die Krankheitssymptome.

Die Gruppe will nun untersuchen, ob das Immunsystem bei Patienten mit schweren Symptomen besonders viele Neurofascin-Antikörper produziert. Weitere Tests sollen zudem zeigen, ob eine Blutwäsche zur Entfernung der Antikörper möglicherweise den Krankheitsverlauf bremsen kann. “MS ist eine komplizierte Krankheit, bei der verschiedene fehlgeleitete Bestandteile des Immunsystems zusammenwirken”, erklärt Meinl. “Wir haben einen neuen Mechanismus gefunden, der möglicherweise bei manchen Patienten dazu beiträgt.”

Forschung: Emily K. Mathey und Christopher Linington, Department of Medicine and Therapeutics und School of Medical Sciences, University of Aberdeen; Tobias Derfuß und Edgar Meinl, Abteilung Neuroimmunologie, Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried, und Institut für Klinische Neuroimmunologie, Ludwig-Maximilians-Universität München; und andere

Veröffentlichung Journal of Experimental Medicine, DOI 10.1084/jem.20071053

WWW:
Institut für Klinische Neuroimmunologie, Uni München
Meinl Lab, MPI of Neurobiology
Deutsche Multiple-Sklerose-Gesellschaft
- Was ist MS?
The Neuron

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Multiple Sklerose: Fehlender Dämpfer-Nachschub


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