Bären kommunizieren per “Baum-Reibe”
Mittwoch, 5. September 2007, 12:40 • Rubrik Biologie.
Wenn sich ein Braunbär mit Inbrunst an einem Baum reibt, juckt ihm nicht etwa der Pelz. Beobachtungen eines britischen Biologen sprechen für eine gänzlich andere Funktion. Demnach signalisieren geschlechtsreife Männchen durch das Reiben ihre Anwesenheit und ihre Ansprüche in einem Gebiet.
Foto: mb fotos /Fotolia.com
Auf diese Weise könnten folgenschwere Kämpfe zwischen Rivalen vermieden werden, vermutet Owen Nevin von der University of Cumbria. “Große Männchen können einander bei einem Kampf ernstlich verletzen und sogar töten.” Wenn ein Bär an der beim Reiben hinterlassenen Duftmarke erkenne, dass ein Geschlechtsgenosse auf der Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen sei, könne er diesem vorsichtshalber aus dem Weg gehen.
Generationen von Bären reiben sich an den immer gleichen Bäumen – gut erkennbar an der abgeschabten Rinde und den hängen gebliebenen Haarbüscheln. Zur Funktion dieser Kratzbäume gibt es verschiedene Hypothesen vom Stillen eines Juckreizes über die Imprägnierung des Pelzes mit Harz bis hin zum Austausch von Duftinformation. Zur Klärung der Frage befestigte Nevin Kameras mit Infrarotauslöser bei Kratzbäumen im gebirgigen Westen Kanadas.
Über zwei Jahre gesammelte Aufnahmen zeigen, dass die Bäume vorwiegend von ausgewachsenen, männlichen Grizzlys besucht wurden, berichtet der Forscher demnächst auf der Jahrestagung der British Ecological Society in Glasgow. Häufig seien es Tiere, die auf der Suche nach Weibchen in weiten Bögen ein Tal nach dem anderen durchstreiften.
Verblüffenderweise werden die Kratzbäume aber auch von Jungtieren aufgesucht, und das mitunter sogar mehrmals täglich und kurz nach dem Besuch eines ausgewachsenen Männchens. Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten sieht Nevin darin, dass die kleinen Bären versuchen, sich den Duft des Männchens anzueignen, um von diesem nicht getötet zu werden. “Miteinander verwandte Tiere riechen ähnlich und Verwandten wird weniger Aggression entgegengebracht”, so der Forscher.
Forschung: Owen T. Nevin, Faculty of Science and Natural Resources, University of Cumbria, Penrith
Präsentation auf dem Annual Meeting of the British Ecological Society, Glasgow
WWW:
Homepage Owen Nevin
Braunbär
Grizzly Rub Objects
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Lärmende Touristen helfen Bärenmüttern
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