Emotionen ziehen den Blick an
4. September 2007 19:11
Nicht von ungefähr wimmelt es in der Werbung vor lachenden Gesichtern. Ein Würzburger Psychologenduo hat ermittelt, dass Menschen Information besonders gut wahrnehmen, wenn sie mit Emotionen wie Freude, Angst, Trauer oder Zorn verknüpft ist. Konkurrierende Information ohne derartige “Aufwertung” blendet das Gehirn mehr oder weniger stark aus.
Ein freundliches Gesicht hat für das Gehirn eine höhere “Wertigkeit” als ein neutrales. Foto: Antje B.M. Gerdes
“Die bevorzugte Wahrnehmung emotionaler Informationen ermöglicht es uns, schnell und effektiv auf bedeutsame Ereignisse zu reagieren”, erklärt Georg Alpers von der Universität Würzburg. Ein solcher Mechanismus könne durchaus von Vorteil sein - beispielsweise beim Erkennen aggressiver Personen in einer Menschenmenge.
Alpers und seine Kollegin Antje Gerdes zeigten 30 Versuchspersonen Fotos, auf denen acht Frauen entweder neutral oder aber verärgert, ängstlich, freudig oder überrascht schauten. Die Teilnehmer blickten dabei durch ein Stereoskop, durch das ihrem linken und rechten Auge unterschiedliche Bilder dargeboten wurden. Da ihr Gehirn diese nicht zusammenbringen konnte, sahen die Teilnehmer mal das eine, mal das andere Bild oder aber ein Mischbild. Emotionale Gesichter setzten sich dabei besser durch als neutrale, berichtet das Duo im Fachblatt “Emotion”.
Wurde zusätzlich ein kleiner Punkt in eines der Bilder eingeblendet, fanden ihn die Teilnehmer in den emotionalen Gesichtern schneller als in den neutralen. Die unterschiedliche Durchsetzungskraft ergab sich auch dann, wenn Zeichnungen von Gesichtern anstelle von Fotos eingesetzt wurden.
“Die Welt, wie wir sie sehen, ist nicht objektiv”, erläutert Gerdes. “Was wir sehen, wird dadurch beeinflusst, welche Bedeutung die verschiedenen Dinge für jeden Einzelnen von uns haben. Und Emotionen haben offensichtlich für uns alle eine große Bedeutung.”
Forschung: Georg W. Alpers und Antje B.M. Gerdes, Psychologisches Institut, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veröffentlichung Emotion, Vol. 7(3), pp 495-506, DOI 10.1037/1528-3542.7.3.495
WWW:
Psychologisches Institut, Uni Würzburg
Binocular Rivalry
Emotion
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wie das Hirn auf Marken anspricht
Lachen beeinflusst räumliches Sehen
Blinder Patient “sieht” Gesichtsausdrücke

















Antikörper
