Top

Drucksensor im Auge

4. September 2007 |

Duisburger Forscher haben einen Sensor entwickelt, mit dessen Hilfe sich der Druck im Auge laufend überwachen lässt. Der winzige Drucksensor wird in eine künstliche Augenlinse integriert, sodass Augenärzte künftig zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnten.

Foto: Fingerkuppe, darauf eine klare Kunstlinse mit orangefarbenem Antennen-Ring und dem eigentlichen Drucksensor als kleinem schwarzen Rechteck am Rand

Der Drucksensor und die zugehörigen Antennen finden Platz in einer künstlichen Augenlinse. Foto: Copyright Fraunhofer-IMS

Künstliche Linsen werden beim “Grauen Star” an die Stelle des getrübten Originals gesetzt. Gerade im fortgeschrittenen Alter neigen solche Patienten auch zum “Grünen Star”, bei dem ein erhöhter Augeninnendruck den Sehnerv angreift. Gesichtsfeldausfälle oder gar Erblindung sind die Folge, wenn der Druck nicht medikamentös im Zaum gehalten wird. Da er dennoch schwanken kann, sind regelmäßige Besuche beim Augenarzt nötig, um die Wirkstoffdosis gegebenenfalls anzupassen.

An diesem Punkt setzen Thomas van den Boom vom Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme an. Der von ihnen entwickelte Drucksensor ist lediglich 2,5 mal 2,6 Millimeter groß und findet damit Platz in einer Kunstlinse. Mit starrem Boden und flexiblem Deckel als Kernstücken, arbeitet der Winzling ähnlich wie ein Kondensator-Mikrophon: Steigt der Druck im Auge, dellt sich der Deckel ein, der Abstand zum Boden sinkt und die elektrische Kapazität des Systems steigt. Über eine winzige Antenne werden diese Daten an eine Elektronik gesendet, die beispielsweise im Bügel einer Brille untergebracht werden kann.

“Das Sehvermögen wird dabei nicht beeinträchtigt”, erklärt van den Boom. Das Augenimplantat werde derzeit im Rahmen einer klinischen Studie getestet und könnte in zwei bis drei Jahren regulär zum Einsatz kommen. Neben dem Auge seien auch weitere Einsatzorte denkbar - etwa große Blutgefäße zur Überwachung des Blutdrucks, das Gehirn bei erhöhtem Hirndruck oder die Blase bei Inkontinenzproblemen.

Forschung: Thomas van den Boom, Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme, Duisburg; und andere

WWW:
Fraunhofer-IMS
Grauer Star (Katarakt), Grüner Star (Glaukom)

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Bildschirmarbeit begünstigt möglicherweise Grünen Star

Bottom