Posted in: Biologie 31. August 2007 17:56 Weiter lesen →

Wölfe an der Leine der Hirsche

Im Verhältnis zwischen Wölfen und Hirschen geben nicht unbedingt die Räuber den Ton an. Diese Ansicht bekräftigt eine Untersuchung amerikanischer und kanadischer Biologen. Im Yellowstone-Nationalpark variiert das Risiko für die Hirsche weniger mit der Verbreitung der Wölfe als vielmehr mit den landschaftlichen Gegebenheiten. Die großen Pflanzenfresser haben es daher selbst in der Hand, ob sie sich in Gefahr begeben oder nicht.

Eingeschränkt werde diese Wahlfreiheit allerdings durch die Tatsache, dass die Hirsche zumindest in den Wintermonaten oft nur in gefährlichen Gebieten ausreichend Nahrung fänden, erklärt Mark Boyce von der University of Alberta. „Unsere Studie zeigt, dass die Hirsche im Winter zwischen der Futterqualität und dem Risiko, gefressen zu werden, abwägen müssen.“ Ihr Überleben hänge letztlich davon ab, wie sie die beiden Faktoren gewichteten.

Boyce und Kollegen studierten das Verhältnis zwischen Räuber und Beute im nördlichen Teil des Yellowstone-Nationalparks. In den 30er-Jahren in dem Gebiet ausgerottet, waren dort im Jahr 1995 wieder Wölfe angesiedelt worden. In den folgenden zehn Jahren rissen sie erwiesenermaßen 774 Hirsche. Die Forscher analysierten die räumliche Verteilung der jeweiligen „Tatorte“.

Obwohl sich Hirsche und Wölfe häufig im gleichen Gebiet aufhalten, hängt das Risiko für die Hirsche demnach vor allem von dem jeweiligen Gelände ab. Besonders gefährlich sind weite, ebene Flächen in der Nähe von Flüssen und Straßen. Tiefer Schnee verschafft den leichtfüßigen Wölfen einen zusätzlichen Vorteil, berichten die Forscher im Fachblatt „Ecology Letters“. Umgekehrt gibt es Rückzugsräume, in denen Hirsche kaum etwas von Wölfen zu befürchten haben.

Dieses Resultat stehe im Einklang mit früheren Beobachtungen, so Boyce weiter. Ungeachtet ihres Rufes, seien Wölfe vergleichsweise ineffiziente Jäger – nur bei etwa jedem fünften Versuch könnten die Tiere Beute machen. Dies liege auch der schieren Körpermasse und Verteidigungsbereitschaft der Hirsche: Ein Bulle in der Blüte seiner Jahre sei für Wölfe so gut wie unantastbar, weswegen sich diese auf junge oder alte, schwache Tiere verlegen müssten.

Forschung: Matthew J. Kauffman, Division of Biological Sciences, University of Montana, Missoula; Nathan Varley und Mark S. Boyce, Department of Biological Sciences, University of Alberta, Edmonton; und andere

Veröffentlichung Ecology Letters, Vol. 10(8), pp 690-700, DOI 10.1111/j.1461-0248.2007.01059.x

WWW:
Homepage Mark Boyce
Biological Sciences, University of Montana-Missoula
Yellowstone National Park
Wolves of Yellowstone
Trophic Links: Predation and Parasitism

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Angst rettet Espen
Yellowstone: Freispruch für Wölfe

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