Chemische Kriegsführung in der Kreidezeit
30. August 2007 | Druckversion
Schon vor 100 Millionen Jahren hielten sich kleine Käfer mit chemischen Waffen ihre Fressfeinde vom Leib. Entsprechende Belege haben amerikanische Biologen in einem Stück Bernstein gefunden. Darin konserviert ist ein kleiner Käfer, der einem deutlich größeren Insekt kleine Sekrettröpfchen entgegenpresst.

Wer die chemische Kriegsführung beherrscht, kommt auch ohne dicken Chitinpanzer aus. Foto: Oregon State University
Das im Baumharz erhaltene Tier gehört zur Familie der Weichkäfer. Statt auf einen dicken Chitinpanzer verlassen sich die Tiere auch heute noch auf das “Reflexbluten”, um Angreifer und Störenfriede zu verscheuchen. “Dass dieser Mechanismus 100 Millionen Jahre Evolution überdauert hat, beweist, dass er sehr gut funktioniert”, erklärt George Poinar von der Oregon State University.
Poinar und Kollegen fanden den wenige Millimeter großen Käfer in einem Stück Bernstein aus Myanmar. Das Tier hat aus Drüsen an seinem Hinterleib sechs Paare kleiner Sekrettröpfchen hervorgepresst. Eines dieser Tröpfchen berührt die Antenne eines zweiten Insekts. Von diesem sind zwar keine weiteren Körperteile erhalten. Gemessen an der Größe seines Fühlers, muss es jedoch mindestens fünf Zentimeter groß gewesen sein, schätzen die Forscher im “Journal of Chemical Ecology”.
Der kleine Käfer konnte bereits sehr effizient mit seinen Schreckstoffen umgehen, glaubt Poinar. “Er konnte sie sogar auf Vorrat produzieren und die Richtung ihres Einsatzes kontrollieren. Kam der Angriff beispielsweise von hinten links, produzierte er sie nur auf dieser Seite.”
Auch heute noch setzen viele Insekten Sekrettröpfchen zur chemischen Kriegsführung ein. Dabei kommt von Aldehyden und Ketonen bis hin zu Phenolen und Säuren eine breite Palette abstoßend riechender oder schmeckender, Übelkeit verursachender oder sogar ätzender Verbindungen zum Einsatz.
Forschung: George O. Poinar Jr. und Christopher J. Marshall, Department of Zoology, Oregon State University, Corvallis; Ron Buckley, Florence, Kentucky
Veröffentlichung Journal of Chemical Ecology, DOI 10.1007/s10886-007-9343-9
WWW:
Department of Zoology, Oregon State University
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