“Jahreszeiten” in der Tiefsee
29. August 2007 | Druckversion
Selbst einen halben Kilometer unter der Meeresoberfläche gibt es fette und magere Jahre. Das zeigen Analysen, die ein australischer Biologe an einem Tiefseeschwamm durchgeführt hat. Gemessen am Gehalt verschiedener Elemente in seinem Skelett, hat das Tier erstaunlich kurzfristige Schwankungen des Nahrungsangebots erfahren.
Offenbar sei die Tiefsee kein konstanter, sondern ein durchaus dynamischer Lebensraum, schließt Michael Ellwood von der Australian National University in Canberra. “Unsere Arbeit zeigt, dass die Konzentration von Spurenelementen dort auch im Jahresverlauf schwankt.” Dieses Muster erinnere an die Jahreszeiten an Land, so der Forscher. Ob es Vorgänge an der Meeresoberfläche widerspiegele oder aber auf Veränderungen tiefer Strömungen zurückgehe, sei allerdings noch unklar.
Ellwood und zwei Kollegen aus Neuseeland und Frankreich untersuchten einen Vertreter der Art Corallistes undulatus. Dabei handelt es sich um große, schüsselförmige Schwämme, die in bis zu 510 Metern Wassertiefe im Südpazifik gefunden worden sind. Röntgenaufnahmen des aus feinen Kieselnadeln bestehenden Skeletts zeigten ein Muster aus rund 140 hellen und dunklen Banden - ähnlich den Jahresringen in einem Baumstamm. Und tatsächlich ergab die Silizium-Datierung des Tieres ein Alter von 135 bis 160 Jahren, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Limnology and Oceanography”.
Das Verhältnis stabiler Kohlenstoff-Isotope im Gewebe des Schwamms lässt vermuten, dass der von der Meeresoberfläche kommende organische “Schnee” nicht ausreicht, um seinen Nahrungsbedarf zu decken. Auch der geringe Gehalt an radioaktivem Kohlenstoff-14 aus oberirdischen Kernwaffentests spricht für die Annahme, dass das Futter des Tieres überwiegend aus organischem Material besteht, das geraume Zeit im Sediment gelagert hat. Die Anteile “frischen” und “alten” Materials schwanken jedoch merklich, fanden die Forscher.
Die neuen Resultate zeigten, welchen Wert Schwämme für die Erforschung längst vergangener Umwelten hätten, so Ellwood weiter. “Die Tatsache, dass sie ihren Unterhalt aus dem umgebenden Wasser bestreiten müssen, bedeutet, dass sie als ‘Umwelt-Rekorder’ fungieren und die Geschichte der Ozeane aufzeichnen.”
Forschung: Michael J. Ellwood, Department of Earth and Marine Sciences, Australien National University, Canberra, ACT; Michelle Kelly, National Centre for Aquatic Biodiversity and Biosecurity, Auckland; Bertrand Richer de Forges, Connaissance des Faunes et Flores Marines, IRD, Nouméa, Neukaledonien
Veröffentlichung Limnology and Oceanography, Vol. 52(5), pp 1865-73
WWW:
Homepage Michael Ellwood
Introduction to the Porifera
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