Wie die innere Stimmgabel schwingt
28. August 2007 |
Ob Pausengong oder Telefon-Freizeichen - manche Menschen können einen gehörten Ton direkt benennen. Diese Fähigkeit hängt möglicherweise von einem einzigen Gen ab, vermuten amerikanische Genetikerinnen nach der Auswertung eines Internetversuchs mit mehr als 2.000 Teilnehmern. Die Mehrheit erzielte entweder nahezu perfekte Ergebnisse oder aber reine Zufallstreffer, mäßige Leistungen waren selten.
“Dieses Resultat steht im Gegensatz zu Beobachtungen bei vielen komplexen Eigenschaften, beispielsweise Statur oder Blutdruck”, schreiben die Forscherinnen um Jane Gitschier von der University of California, San Francisco, in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Bei solchen, unter dem Einfluss vieler Gene stehenden Merkmalen sind niedrige bzw. hohe Messwerte sehr selten, mittlere dagegen häufig.
Das absolute Gehör bezeichnet die Fähigkeit, einen gehörten Ton erkennen zu können, ohne zuvor per Stimmgabel einen “Eichton” gehört zu haben. Um mehr über diese Begabung herauszufinden, lockten die Forscherinnen Musikbegeisterte mit Inseraten und Flugblättern auf eine eigens entwickelte Internetseite. Dort hörten die Besucher eine Folge von 36 Tönen, die jeweils binnen weniger Sekunden benennen mussten. Gemessen an ihrer Treffsicherheit, verfügten 981 von 2.213 Teilnehmern über das absolute Gehör.
Erstaunlicherweise tendierten die Teilnehmer mit zunehmendem Alter systematisch zu höheren Benennungen - verglichen mit jüngeren Teilnehmern, identifizierten sie beispielsweise ein D häufiger als Dis oder ein A eher als Ais. Möglicherweise verändern sich mit den Jahren die mechanischen Eigenschaften des Innenohrs, nicht jedoch dessen Verkabelung im Gehirn, vermuten die Forscherinnen. Dies könne dazu führen, dass ältere Menschen tendenziell etwas “zu hoch” hören.
Zudem wurde das Gis auffallend oft als das einen Halbton höhere A benannt. Der Grund könnte eine Art “Wahrnehmungs-Magnet” sein, schreiben Gitschier und Kolleginnen. Zwar liege die Frequenz des A definitionsgemäß bei 440 Hertz, die Frequenz des Kammertons A variiere jedoch von Orchester zu Orchester um mehr als 70 Hertz. An diese Variation gewöhnt, könnten Musiker und Konzertbesucher mit absolutem Gehör nahe gelegene Töne automatisch als A identifizieren.
Forschung: E. Alexandra Athos und Jane Gitschier, Department of Medicine und Institute for Human Genetics, University of California, San Francisco; und andere
Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0703868104
WWW:
Perfect Pitch Study, UC San Francisco
Absolute Pitch
Innenohr und Gehör
Kammerton
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