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Wie der Verstand stiften geht

23. August 2007 20:01

Photocase_Panischer-Blick Wie Menschen auf eine potenzielle Bedrohung reagieren, hängt auch von deren Abstand ab. Das haben englische Neurowissenschaftler bei Probanden beobachtet, die sich in einem virtuellen Labyrinth von einem “Fressfeind” verfolgt sahen. Je näher der Verfolger kam, desto stärker schalteten die Gehirne der Verfolgten von rationaler Betrachtung auf uralte Schutzreaktionen um.

Foto: Carrat /Photocase.com

Dabei verringerte sich die Aktivität im entwicklungsgeschichtlich jungen Großhirn, während die Aktivität im Stammhirn zunahm, berichtet die Gruppe um Dean Mobbs vom University College London im Magazin “Science”. Ein solcher Mechanismus erscheine sinnvoll, da bei einer akuten Bedrohung keine Zeit für Abwägungen sei, so der Forscher. “Je näher die Bedrohung kommt, desto impulsiver wird die Reaktion sein - und desto stärker wird der freie Wille eingeschränkt.”

Per funktioneller Kernspintomografie kartierten Mobbs und Kollegen die Gehirnaktivität von 14 Probanden. Diese steuerten eine Spielfigur, die in einem Labyrinth mit langen Gängen von einer anderen Figur gejagt wurde. Wurde ihre Figur gefangen, bekamen die Probanden einen schmerzhaften Stromschlag am Handrücken verabreicht. Das Muster ihrer Gehirnaktivität variierte merklich mit dem Abstand zwischen Jäger und Gejagtem, fanden die Forscher.

Bei einem komfortablen Abstand war der vordere Teil des Stirnlappens, vor allem der ventromediale präfrontale Kortex, besonders aktiv. Mobbs und Kollegen vermuten, dass diese Regionen mit der Planung von Ausweichstrategien befasst war. War der Jäger sehr nahe, legte dagegen der Hirnstamm, insbesondere das zentrale Höhlengrau des Mittelhirns, eine besonders hohe Aktivität an den Tag. Diese alte Gehirnstrukturen kontrollieren Fluchtverhalten, mehr oder weniger gezielte Abwehrbewegungen oder das sprichwörtliche Erstarren vor Angst. Zudem sind sie an der Unterdrückung von Schmerzen in Erwartung einer Verletzung beteiligt.

Beide Gehirnregionen seien durch eine Reihe von Nervenbahnen miteinander verbunden, erläutern Mobbs und Kollegen. In Zusammenarbeit mit weiteren Gehirnstrukturen wie den als “Angstzentren” bekannten Mandelkernen, könne sich so ein angemessenes Gleichgewicht zwischen rationalem und instinktivem Verhalten einstellen. Eine Schieflage dieses Regelsystems könne vielleicht zur Entstehung von Phobien oder Panikstörungen beitragen, so der Forscher. “Wenn unsere Abwehrmechanismen nicht korrekt arbeiten, könnte dies in einem übersteigerten Gefühl von Bedrohung resultieren und zu Angst und in extremen Fällen zu Panik führen.”

Forschung: Dean Mobbs und Christopher D. Frith, Wellcome Trust Centre for Neuroimaging, Functional Imaging Laboratory, University College London; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 317, 24. August 2007, pp 1079-3, DOI 10.1126/science1144298

WWW:
Wellcome Trust Centre for Neuroimaging, University College London
- Homepage Dean Mobbs
Angst und Furcht
When Fear Takes the Control
Introduction to fMRI
Mesencephalon
Midbrain

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