Posted in: Anthropologie, Psychologie, Vermischtes 22. August 2007 06:01 Weiter lesen →

Frauen haben den besseren Kalorien-Kompass

Frauen-Einkaufen-Lebensmittel Männer sind nicht unbedingt die überlegenen Navigatoren, haben amerikanische Psychologen auf einem Wochenmarkt ermittelt. Nach einem Rundgang konnten Frauen die Richtung zu einzelnen Ständen verlässlicher angeben als Männer – zumindest dann, wenn es ums Essen ging.

Bei Lebensmitteln haben Frauen die bessere Orientierung.
Foto: Franz Pfluegl /Fotolia

Dieses Phänomen stehe im Einklang mit der Annahme, das räumliche Denkvermögen des Menschen sei geprägt durch eine lange bestehende Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, schließt die Gruppe um Joshua New von der Yale University und Max Krasnow von der University of California in Santa Barbara. Jäger müssten einer Beute durch ihnen nicht vertrautes Gebiet folgen und auf möglichst direktem Wege wieder nach Hause finden. Sammlerinnen müssten dagegen wissen, wo es gerade Früchte, Honig und andere Leckereien gebe.

Die Psychologen führten ihren Versuch auf einem großen Wochenmarkt mit rund 90 Ständen durch. Ihre Probanden – 41 Frauen und 45 Männer – wurden der Reihe nach zu sechs Ständen geführt und mussten dort ein bestimmtes Lebensmittel kosten. Auf einem Platz in der Mitte des Marktes, von dem aus die besuchten Stände nicht zu sehen waren, mussten sie dann möglichst genau die Richtung zu den einzelnen Lebensmitteln weisen.

Normalerweise erzielen Männer bei solchen Tests der vektoriellen Navigation bessere Resultate als Frauen. In diesem speziellen Fall waren jedoch die Angaben der Teilnehmerinnen zuverlässiger, berichtet die Gruppe in den „Proceedings of the Royal Society“. Sie wichen im Schnitt sieben Grad weniger stark von der tatsächlichen Richtung ab als die Männer.

Damit nicht genug: Beide Geschlechter waren umso treffsicherer, je höher die Energiedichte des jeweils gekosteten Lebensmittels war. Wurde beispielsweise nach Olivenöl oder Mandeln gefragt, lag die mittlere Abweichung bei 20 Grad. Ging es dagegen um Tomaten, waren es 45 Grad – bei Kürbissen schienen die Teilnehmer nur noch zu raten. Dieser Zusammenhang war unabhängig davon, ob das jeweilige Produkt den Probanden geschmeckt hatte oder nicht.

Die größere Verlässlichkeit im Falle hochkaloriger Kost unterstreiche, dass sich die unterschiedlichen navigatorischen Fähigkeiten im Zusammenhang mit der Nahrungssuche entwickelt hätten, sind New, Krasnow und Kollegen überzeugt. In dem Effekt zeigten sich „die Prioritäten eines psychologischen Mechanismus, der sich während 99,7 Prozent der menschlichen Evolution entwickelt hat, um eine möglichst effiziente Ausbeutung pflanzlicher Ressourcen zu ermöglichen“, schließen sie.

Forschung: Joshua New, Department of Psychology, Yale University, New Haven, Connecticut; Max M. Krasnow, Danielle Truxaw und Steven J.C. Gaulin, Department of Psychology und Department of Anthropology, University of California, Santa Barbara

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2007.0826

WWW:
Perception & Cognition Laboratory, Yale University
Center for Evolutionary Psychology, UC Santa Barbara
Human Lifeways
Hunting With Fire
Men, Women, Sex and Darwin

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